01:44 23 Oktober 2018
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    Weißrusslands AKW-Pläne verursachen Verwirrung und Interesse - „Wremja Nowostej“

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    MOSKAU, 25. Januar (RIA Novosti). Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko hat auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Vorbereitungen für den Bau eines Atomkraftwerks zu beschleunigen. Nach Ansicht von Experten stellt dies aber eine unlösbare Aufgabe für die heimische Wirtschaft dar. Mit Krediten kann Minsk zudem kaum rechnen. Andere meinen dagegen, dass der Bau eines AKW für viele westliche Unternehmen ein einträgliches Geschäft wäre, das gewichtiger sein könnte als jegliche politischen Motive, schreibt die Tageszeitung „Wremja Nowostej“ am Dienstag.

    „Ohne Russland lässt sich da nichts machen“, so Bulat Nigmatulin, ehemaliger russischer Atomenergie-Vizeminister. „Zwei Reaktorblöcke - das sind mindestens 3,5 Milliarden Dollar, die im Laufe von zehn Jahren investiert werden müssen. Minsk hat dieses Geld nicht, und im Westen wird ihnen niemand dieses Geld geben.“

    Stanislaw Swetlizki, ehemaliger Vizepräsident des Unternehmens Rosenergoatom, verweist darauf, dass rund 300 Millionen Dollar für die nuklearen Brennstoffe hinzu kommen müssten. Nach seinen Worten wären nur Toshiba, die französisch-deutsche Gesellschaft Areva und das russische Unternehmen Atomstroyexport in der Lage, ein AKW zu bauen.

    „Die Ausgaben sind beträchtlich“, sagt Swetlizki. „Die Rücklaufdauer beträgt 25 bis 30 Jahre. Insofern ist Lukaschenkos Erklärung über den AKW-Bau eher eine propagandistische Aktion im Brennstoffkrieg gegen Russland. Für Gasprom wäre es allerdings vom Vorteil, wenn Weißrussland auf einen Teil der für dieses Land bestimmten Gaslieferungen verzichten würde. Die damit frei gewordenen Gasmengen könnte man dann zu einem besseren Preis nach Europa liefern.“

    „Sollte Weißrussland seine Gesetze hinsichtlich eines besseren Investitionsschutzes ändern, könnte die IAEO ein Abkommen mit Weißrussland schließen“, nimmt Sergej Jaschetschkin, ein anderer ehemaliger Rosenergoatom-Vizepräsident, an. „Die ausländischen Unternehmen, die weltweit AKWs bauen, würden sich über neue Aufträge nur freuen.“

    Es wäre sinnlos, in dem Fall eine Weiterverbreitung von Spaltstoffen zu befürchten, stellen die Atomenergieexperten fest. Die Reaktoren wie im AKW Tschernobyl, die theoretisch für die Produktion von waffenfähigem Plutonium geeignet waren, werden nicht mehr gebaut. Niemand wird Weißrussland auch nur gestatten, solche Reaktoren zu bauen. Gegen andere Reaktortypen wird aber niemand etwas haben. „In Indien etwa wird ein AKW gebaut, obgleich dieses Land den Atomwaffensperrvertrag nicht unterzeichnet hat“, stellte ein der russischen Atomenergiebehörde Rosatom nahe stehender Experte fest.

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