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    Fonds künftiger Generationen wird leer bleiben

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    MOSKAU, 29. März (RIA Novosti). Der russische Stabilisierungsfonds wird ab dem kommenden Jahr der Vergangenheit angehören.

    An seiner Statt werden die Mehreinnahmen aus dem Verkauf von Erdöl und Erdgas in zwei Kassen - den Reservefonds und den Fonds künftiger Generationen - fließen. Die Idee des letzteren Fonds wurde von Norwegen übernommen, wo ein solcher mit den Einnahmen aus dem Erdölverkauf gebildet wird. Das wird für die Kinder und Enkelkinder getan, die kein Erdöl mehr haben werden.

    Der russische Fonds soll unantastbar sein, versprechen die Beamten. Damit die Enkel und Urenkel noch mehr bekommen können, soll der Fonds in riskantere (und folglich auch ertragreichere) korporative Wertpapiere investiert werden.

    Die Sorge der Regierung um die künftigen Generationen hat nicht nur unter den russischen Bürgern, sondern auch im Westen eine Welle der Anerkennung ausgelöst. „Das ist ein gewaltiger Schritt in die richtige Richtung“, schreiben Investitionsbankiers aus UBS in ihrem Bericht über Russland. „Der Fonds künftiger Generationen wird Erdölgeld gegen die Versuchung schützen, es sofort auszugeben“, heißt es in einem Bericht der Bank ING.

    Aber was für ein Pech! In den Jahren 2009 und 2010 wird die Regierung keine Möglichkeit haben, auch nur einen Rubel in den Fonds künftiger Generationen einzuzahlen.

    Das Finanzministerium plant, dass der Reservefonds unter beliebigen Umständen mindestens zehn Prozent des BIP enthalten soll. Denn dieser Fonds muss die Erfüllung der aktuellen Haushaltsverpflichtungen absichern. Nur der Überschussbestand wird an den Fonds künftiger Generationen überwiesen.

    Indessen geht der Ölpreis zurück: Laut einer Prognose des Wirtschafts- und Handelsministeriums soll russisches Erdöl der Sorte Urals im Jahre 2008 durchschnittlich 53 US-Dollar je Barrel (159,1 Liter), im Jahre 2009 schon 52 US-Dollar und im Jahre 2010 nur noch 50 US-Dollar kosten. Bei diesem Preis würden die Einnahmen aus dem Erdöl- und Erdgasverkauf nicht einmal dafür ausreichen, den Reservefonds auf dem Sollniveau aufrechtzuerhalten, offenbarte Finanzminister Alexej Kudrin in einem Interview mit „Wedomosti“.

    Der Minister musste eingestehen, in drei Jahren, „wenn wir zu spüren bekommen, dass die Situation ganz dramatisch wird“, werde das Finanzministerium damit beginnen müssen, den Fonds künftiger Generationen zu verausgaben. „Es würde sich im Grunde um einen zweiten Reservefonds handeln.“

    Die Unmöglichkeit, den Fonds künftiger Generationen auch nur nach dem Restprinzip zu finanzieren, sei ein Beweis dafür, dass der Staatshaushalt weiterhin auf das Erdöl sehr angewiesen sei, lamentiert der Wirtschaftsexperte der Bank „Trust“ Jewgeni Nadorschin.

    „Unser Fonds künftiger Generationen ähnelt dem norwegischen nur dem Namen nach“, sagt die Chefin der Abteilung Analyse der Bank ING, Julia Zepljaewa.

    Der Unterschied bestehe darin, dass Russland mit jedem Jahr mehr Haushaltsausgaben trage, erläutert Nadorschin: „Der Staat baut eine Infrastruktur auf, reformiert die Armee, erschließt Atomenergie und kauft Ölgesellschaften. Deshalb kann für die Enkel nichts übrig bleiben.“

    Der russische Fonds künftiger Generationen werde im Grunde genommen für den Fall gebildet, dass Erdöl statt 53 US-Dollar je Barrel etwa 106 US-Dollar kosten werde, ironisiert Zepljajewa.

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