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    Erschließung der Arktis - Priorität der russischen Wirtschaftspolitik

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    MOSKAU, 21. April (RIA Novosti). Die Erschließung der Arktis wird immer mehr zu einer Hauptrichtung bei der Wirtschaftstätigkeit in Russland.

    Diese Region, wo mehr als 90 Prozent der Vorräte Russlands an Erdöl, Kupfer, Nickel und Diamanten lagern, kann nur aber nur boomen, wenn den Leuten Anreize und Steuervergünstigungen gesichert werden.

    Einmütig kamen die Teilnehmer an einem Runden Tisch unter dem Motto "Die Arktis - Brennpunkt des 21. Jahrhunderts: Kampf um Ressourcen und die wirtschaftlichen Perspektiven Russlands" zu dieser Schlussfolgerung.

    Eingeladen hatte der Verlag Komsomolskaja Prawda, unterstützt von der Internetseite www.arctictoday.ru. An der Diskussion beteiligten sich Vertreter verschiedener föderaler Ministerien, die Gouverneure der nördlichen Territorien, Politologen und Geschäftsleute. RIA Novosti hatte gemeinsam mit dem Gesamtrussischen Wissenschaftszentrum Sewer zu diesem Anlass eine Expertenumfrage zu den politischen, wirtschaftlichen und sozialen Perspektiven vorgelegt.

    Im Wirtschaftsministerium wird davon ausgegangen, dass die Mittel im Rahmen des Föderalen Zielprogramms Weltozean 2008 - 2012 wesentlich aufgestockt werden. Der Berater des Ministers, Boris Morgunow, fordert vor allem Gelder für Investitionen, konnte aber keinen konkreten Bedarf nennen.

    Er bedauerte, dass keine konkreten Vorhaben durchgerechnet seien, die klare Rückschlüsse auf ihre Effektivität zulassen würden. "Wenn wir erst eine Schwerpunktliste der eingegangenen Vorschläge erarbeitet haben, werden wir unsere Empfehlungen für die Finanzierung der Regierung zur Beschlussfassung vorlegen", beschrieb er den weiteren Gang. Solange keine Projekte auf den Tisch kommen, werde es auch keine Mittel geben.

    Morgunow bedauerte, dass der Staat der Arktis im Zeitraum seit dem Zerfall der Sowjetunion wenig Aufmerksamkeit geschenkt habe. Dabei ließ er keinen Zweifel aufkommen, welche Orientierung künftig den Vorrang haben wird: "Ihrem Wesen nach ist die Partnerschaft von Privatwirtschaft und Staat das einzige Instrument, mit dessen Hilfe staatliche Gelder bis zu konkreten Vorhaben durchdringen können."

    Er kündigte an, dass im nächsten Jahr die eingereichten technischen Machbarkeitsstudien der Unternehmen begutachtet und die Projekte dann in den Jahren 2009 - 2012 unmittelbar in ihr Realisierungsstadium treten würden.

    Der Abgeordnete der russischen Staatsduma und renommierte Arktisforscher Artur Tschilingarow hob hervor, wie wichtig es sei, dass Russland seine Positionen bei der Erforschung und Erschließung der Arktis, geschaffen in sowjetischen Zeiten, nicht einbüße. "Weder die Norweger oder Amerikaner noch wir selbst haben eine Reliefkarte des Grunds des Eismeeres. In dieser Frage beanspruchen wir das Recht der ersten Nacht. Das schulden wir den Arbeiten unserer Polarforscher. Bis zum Meeresboden vorzudringen - das bedeutet das Terrain abzustecken, also auch den Festlandsockel", unterstrich er.

    Morgunow betonte, dass die Erschließung des Schelfs und der dort lagernden Rohstoffe enorme Mittel verschlingen werde. Vor der Presse sprach er von 100 Milliarden bis 120 Milliarden US-Dollar, wobei insbesondere darauf geachtet werden müsse, dass sie nicht irgendwo versanden. Er unterstrich abermals: "Wenn wir von der Erkundung und Erschließung von Lagerstätten sprechen, dann müssen Staat und Wirtschaft Hand in Hand arbeiten, denn Eigentümer der Bodenschätze ist der Staat", sagte er.

    Die Erschließung des Stockmann-Feldes in der Barentssee wird zusätzliche Kosten erfordern, die mit dem Klimawandel in der Westarktis verbunden sind. Der stellvertretende Leiter des Föderalen Wetterdienstes, Alexander Frolow, sieht vor allem eine Erwärmung der Westarktis, wodurch Eisberge in der Barentssee entstehen würden, die es früher in diesen Gegenden nicht gegeben habe. Er forderte aus dieser Sicht die Schaffung eines Beobachtungsdienstes und die Kalkulation der dafür erforderlichen Mittel.

    Die Experten stimmten darin überein, dass die Bedeutung der Arktis wegen der Klimaerwärmung und der Erschöpfung der Rohstoffe in anderen Teilen der Welt noch ansteigen wird. Aus der erwähnten Umfrage in Fachkreisen geht hervor, dass allgemein mit einer Verschärfung des Kampfes um die Schätze der Arktis gerechnet wird. Vor allem die Anliegerstaaten mit direktem Zugang zum Eismeer, aber auch die rohstoffarmen Länder wie China werden um Positionen ringen. Außerdem unterstreichen die Experten, dass fünf der Anliegerstaaten, und zwar die USA, Kanada, Island, Dänemark und Norwegen, der Militärallianz der Nato angehören, wodurch es zu einer Diskussion über die Militarisierung oder Entmilitarisierung der Region kommen werde.

    Es gab schließlich auch Einmütigkeit, dass angesichts der Bevölkerungsabwanderung und der negativen Auswirkungen der klimatischen Bedingungen auf die Gesundheit der in der Arktis lebenden Menschen materielle Anreize geschaffen werden müssen.

    Morgunow sprach sich dafür aus, klein- und mittelständischen Unternehmen Investitionsanreize zu gewähren, so durch Steuerpräferenzen.

    Letztendlich waren sich die Fachleute einig, dass die Verkehrsanbindung und die Kommunikation zwischen der Arktis und dem russischen Festland konzentriert ausgebaut werden müssen.

    Morgunow sieht vor allem die Notwendigkeit, den so genannten Nördlichen Seeweg wieder zu beleben und ihn in den eurasischen Seeverkehrskorridor zu integrieren.