03:15 17 Dezember 2017
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    Russland verliert Kontrolle über Energieträger in Zentralasien - „Nesawissimaja Gaseta“

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    MOSKAU, 21. August (RIA Novosti). In der vergangenen Woche hat Russlands Monopol auf den Transit von zentralasiatischen Energieträgern zwei Schläge erlitten: aus dem Westen und aus dem Osten.

    Am Donnerstag gab das US-Außenministerium eine Machbarkeitsstudie für den Bau einer Gasleitung aus Turkmenien nach Aserbaidschan und einer Ölleitung aus Kasachstan nach Aserbaidschan in Auftrag. Beide Pipelines sollen durch das Kaspische Meer gebaut werden, schreibt die russische Wirtschaftszeitung „Nesawissimaja Gaseta“ am Dienstag. Am vergangenen Samstag einigten sich der chinesische Staatschef Hu Jintao und sein kasachischer Amtskollege Nursultan Nasarbajew auf den Bau einer Ölleitung von der Kaspi-Küste bis nach China sowie einer Gasleitung aus Turkmenien auf kasachischem Gebiet. Sollten beide Projekte realisiert gehen, würden sie die Gaslieferungen des russischen Konzerns Gasprom nach Europa ab 2011 gefährden.

    Die Nachricht, dass das US-Außenministerium die Machbarkeitsstudie zu einer Kaspi-Gasleitung finanziert, zeugt laut Gasprom davon, dass dieses Projekt einen rein politischen Hintergrund hat. „Die USA werfen uns vor, Gasprom als politisches Instrument zu nutzen. Sie selber geben unverhüllt Geld für die Machbarkeitsstudie aus“, empörte sich Gasprom-Sprecher Sergej Kuprijanow.

    Auch Experten verweisen darauf, dass hinter diesen Projekten Politik steckt. Die Vorhaben zielen auf die Diversifizierung der Exportrouten für Kaspi-Energieträger ab und sollen das Nabucco-Projekt unterstützen, das den Transport von mittelasiatischem Erdgas nach Europa mit Umgehung von Russland vorsieht. „Das Projekt kann wohl umgesetzt werden, wenn die Staatschefs von Turkmenien und Kasachstan trotz etwaiger Wirtschaftsschäden den notwendigen politischen Willen aufbringen“, sagt Analyst Valeri Nesterow von „Troika Dialog“.

    Peking und Astana verständigten sich auf den Bau eines zweiten Abschnitts der Ölpipeline Atasu-Alashankou, die China mit den Kaspi-Lagerstätten verbinden soll. Die Pipeline soll bereits 2009 ihre volle Jahresleistung von zehn Millionen Tonnen erreichen. Bis 2011 will der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew zudem die Ölförderung am Kaspischen Meer wesentlich steigern.

    Darüber hinaus kündigten die Präsidenten von China und Kasachstan an, dass die geplante Gaspipeline von Turkmenien nach China über kasachisches Gebiet verlaufen wird.

    2011 läuft der Vertrag mit Gasprom über den Kauf des turkmenischen Erdgases ab. Damit drohen dem russischen Energiekonzern große Probleme, da er gerade in den Jahren 2011 bis 2015 neue Vorkommen auf der Halbinsel Jamal (Sapolarnoje) und in Ostsibirien (Kowykta) erschließen wird, weil die Lagerstätten von Westsibirien zu dem Zeitpunkt zur Neige gehen. Deshalb wird Gasprom verstärkt auf mittelasiatische Ressourcen zurückgreifen müssen, um seinen Lieferverpflichtungen gegenüber der Europäischen Union nachzukommen. Auch bei wachsender Produktion in Mittelasien kann Gasprom auf einen Gasmangel stoßen, weil ab 2011 rund 60 Milliarden Kubikmeter Gas sowohl in Richtung Westen als auch in Richtung Osten an Russland vorbei fließen können.