04:46 24 November 2017
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    Wahl von neuem Russneft-Chef scheiterte an fehlender Beschlussfähigkeit der Aktionäre

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    MOSKAU, 30. August (RIA Novosti). Die für den (heutigen) Donnerstag geplante Wahl eines neuen Präsidenten des russischen Energiekonzerns Russneft ist nach Ansicht von Experten an der fehlenden beschlussfähigen Mehrheit der Aktionäre gescheitert.

    Die geringe Zahl der Teilnehmer einer außerordentlichen Aktionärsversammlung wird von Analysten in erster Linie darauf zurückgeführt, dass die russische Justiz sämtliche Russneft-Aktien gesperrt hat und den Verkauf von Russneft an den Mischkonzern Basic Element (BasEl) möglicherweise rückgängig machen kann.

    Der frühere Russneft-Präsident Michail Guzerijew, gegen den wegen Steuerhinterziehung und schweren Betrugs ein internationaler Haftbefehl vorliegt, hatte am 30. Juli das Amt freiwillig niedergelegt. Sein Aufenthaltsort ist nicht bekannt.

    "Die Aktionärsversammlung musste abgesagt werden, weil im Geschäft ztwischen BasEl und Russneft eine dritte Seite aufgetaucht war", meinte Analyst Alexander Kusnezow vom Investmenthaus Prospekt. "Die Bestätigung des neuen Präsidenten wurde vertagt, weil der Kauf von Russneft durch BasEl rückgängig gemacht werden kann. Jemand hat sich in den Kampf eingemischt. Probleme werden von dieser dritten Seite bereitet", sagte der Experte.

    Michail Sak vom Investmenthaus Veles Capital ist der Meinung, dass die Versammlung nicht stattgefunden hat, weil die Russneft-Aktien gesperrt worden waren. "Möglicherweise sind nicht nur Operationen mit Aktien, sondern auch die Abstimmung verboten", sagte er.

    Nach einer Version von Konstantin Guljajew vom Investmenthaus Region wurde die Wahl des neuen Russneft-Präsidenten abgesagt, weil sich die Aktionäre noch nicht auf die Kandidatur geeinigt hatten. "Wahrscheinlich gab es Kräfte, die die bislang einzige Kandidatur nicht akzeptieren wollten. Zudem hatten die Aktionäre wegen geringer Beteiligung an der Versammlung keine beschlussfähige Mehrheit", so der Analyst.

    Auf der Tagesordnung der Aktionärsversammlung von Russneft stand die Erörterung der Kandidatur des Russneft-Vizepräsidenten, Oleg Gordejew, als Unternehmenschef, der seit Guzerijews Rücktritt amtierender Präsident ist. Das Datum einer neuen außerordentlichen Aktionärsversammlung soll später bekanntgegeben werden.

    Aus Unternehmensquellen verlautete am Vortag, dass Basic Element des russischen Milliardärs Oleg Deripaska für sämtliche Russneft-Aktien knapp 3 Mrd. US-Dollar gezahlt hatte. Die Gelder gingen an den früheren Russneft-Chef Michail Guzerijew. Nach Angaben eines BasEl-Sprechers ist der Deal noch nicht abgeschlossen, weil er vom russischen Kartellamt noch nicht gebilligt wurde.

    Die ersten Gerüchte über die Übernahme von Russneft durch BasEl waren bereits im Juli aufgetaucht. Experten schätzten den Ölförderer auf bis zu 7 Mrd. Dollar. Am 28. August hatte ein BasEl-Vertreter erklärt, dass sich ein Haftbefehl gegen den Russneft-Eigner Guzerijew und eine internationale Fahndung nach ihm nicht auf Übernahmepläne von BasEl ausgewirkt hatten. Guzerijew habe am 30. Juli das Amt des Russneft-Chefs niedergelegt. Einen neuen Kaufantrag habe BasEL noch nicht gestellt, hieß es.

    Anfang August teilte Kartellamtschef Igor Artemjew in Moskau mit, der BasEl-Antrag werde von seiner Behörde noch nicht geprüft, weil die Papiere nicht ordnungsgemäß ausgestellt seien. Im Juli wurden sämtliche Russneft-Aktien auf Gerichtsbeschluss gesperrt. Der Beschluss ist aber noch nicht rechtsmäßig, weil Russneft dagegen eine Klage eingereicht hat, die am 5. September vom Moskauer Stadtgericht geprüft werden soll.

    Die russische Steuerbehörde verlangt von Russneft für 2003 und das erste Quartal 2004 Steuerschulden in Höhe von 3,7 Milliarden Rubel. Zudem liegen dem Moskauer Schiedsgericht mehrere Klagen der Steuerbehörde vor, die fordert, Transaktionen mit Russneft-Papieren für nichtig zu erklären.

    Russneft ist eine große vertikal-integrierte Ölholding und zählt zu den landesweit zehn größten Ölunternehmen. Zum Konzern gehören 30 Förderbetriebe, drei Ölraffinerien, zwei Transportbetriebe und 300 Tankstellen.