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    Ölstreit mit Eni: Kasachstan erklärt sich zum Dialog bereit

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    ASTANA, 11. September (RIA Novosti). Die kasachische Regierung, die vor zwei Wochen die Fördergenehmigung des italienischen Ölkonzerns Eni für das riesige Ölfeld Kaschagan ausgesetzt hat, erklärt sich nun zu einem Dialog mit den Italienern bereit, um den Streit beizulegen.

    „Die Regierung von Kasachstan plädiert für Stabilität bei den Investitionsverträgen und ist zu einem offenen Dialog bereit, um den Streit um Kaschagan beizulegen“, sagte der kasachische Energieminister Saunat Mynbajew am Dienstag bei einem Treffen mit Eni-Chef Paolo Scaroni in Astana. Nach seinen Worten sind die Forderungen an Eni durchaus begründet und dürfen nicht politisiert werden.

    Mynbajew warnte vor einer Beeinträchtigung der kasachischen Wirtschaftsinteressen und äußerte sich besorgt über die „systematische Verletzung“ der kasachischen Gesetze durch „einige ausländische“ Öl- und Gasförderer.

    Am 27. August hatte die Regierung des zentralasiatischen Staates die Fördergenehmigung von Eni für Kaschagan für drei Monate ausgesetzt. Das Umweltschutzministerium warf den Italienern Verstöße gegen die Umweltvorgaben bei den Förderarbeiten vor, bei denen schwere Umweltschäden drohen würden.

    Fast zeitgleich warf das kasachische Zollamt Eni vor, die Zollregeln der zentralasiatischen Republik verletzt und dem kasachischen Fiskus dadurch einen Schaden in Höhe von mehr als 2,5 Millionen Dollar verursacht zu haben. Gegen die zuständigen Mitarbeiter der kasachischen Filiale des Unternehmens seien Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, hieß es aus dem Zollamt.

    Ende Juli hatte Eni der kasachischen Regierung ein neues Konzept für Kaschagan vorgelegt. Demnach soll der Beginn der Ölförderung von 2008 auf die zweite Jahreshälfte 2010 verlegt werden, die Kosten sollen von 57 auf 136 Milliarden Dollar steigen.

    Dadurch wurde das Projekt laut Mynbajew weniger einträglich für Kasachstan.

    Der Start der Förderproduktion auf dem Kaschagan-Feld, dem größten Ölfund in der Welt seit Jahrzehnten, dessen abbaufähige Reserven auf mindestens sieben Milliarden Barrel geschätzt werden, wurde bereits mehrmals verschoben. Zuerst war er für 2005 geplant. Doch der Projektbetreiber meldete finanzielle und technische Probleme und verschob den Beginn der Ölproduktion auf Ende 2008. Die kasachische Regierung erhielt dabei eine Entschädigung von 150 Millionen Dollar. Später stieg die kasachische Regierung selber mit 8,33 Prozent ins Projekt ein, die sie bei British Gas erwarb.

    Die Verzögerung beim Kaschagan-Projekt hemme das Wirtschaftswachstum in Kasachstan in den nächsten zehn Jahren und gefährde die langfristigen Wirtschaftsprogramme der Regierung, stellte Mynbajew bei seinem heutigen Treffen mit Eni-Chef fest.

    Wenn die Ölförderung in Kaschagan 2008 beginne, dann würde die gesamte Ölproduktion in Kasachstan bis 2010 auf 90 Millionen Tonnen und bis 2015 auf mehr als 130 Millionen Tonnen steigen. Gegenwärtig beträgt die Jahresproduktion in Kasachstan 63 Millionen Tonnen.

    „Die strikte Einhaltung der Gesetze unseres Landes und der übernommenen Verpflichtungen ist eine unerlässliche Bedingung für alle in Kasachstan tätigen Unternehmen, darunter auch für die ausländischen“, betonte Mynbajew. „Wenn diese Bedingung nicht erfüllt wird, werden wir alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, die von unseren Gesetzen vorgesehen sind.“

    Zuvor hatte der kasachische Regierungschef Karim Massimow Eni aufgefordert, die Staatsfirma KazMunayGaz in das Kaschagan-Projekt einzubinden.

    1997 hatten Kasachstan und ein internationales Konsortium eine Vereinbarung über Erkundung, Bewertung und Erschließung von Öl- und Gasvorkommen im kasachischen Sektor des Kaspischen Meeres abgeschlossen, in dem Kaschagan, eines der größten Ölfelder der Welt, liegt. Zum Konsortium gehören neben Eni die amerikanischen Firmen ExxonMobil und ConocoPhllips, die französische Total, die britisch-niederländische Royal Dutch/Shell, die japanische Inpex und die kasachische KazMunayTeniz (Tochter von KazMunayGaz).

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