23:06 22 Oktober 2017
SNA Radio
    Wirtschaft

    Spionageskandal um TNK-BP wird Situation auf Finanzmarakt verschlechtern - Experten

    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 1 0 0

    Der Spionageskandal um den russisch-britischen Energiekonzern TNK-BP wird die Situation auf dem Finanzmarkt nach Ansicht von Experten verschlechtern.

    MOSKAU, 20. März (RIA Novosti). Der Spionageskandal um den russisch-britischen Energiekonzern TNK-BP wird die Situation auf dem Finanzmarkt nach Ansicht von Experten verschlechtern.

    "Die Verhaftung eines TNK-BP-Managers durch die russischen Geheimdienste kann sich in kurzfristiger Perspektive negativ auf die Stimmung der Investoren auf dem russischen Markt vor dem Hintergrund der ohnehin schon instabilen Situation in der Weltwirtschaft auswirken", sagte ein Analyst, der anonym bleiben wollte, am Donnerstag in Moskau. Dem Chefökonom des Investmenthauses Troika Dialog, Jewgeni Gawrilenkow, zufolge, habe der russische Aktienmarkt am Donnerstag deutlich stärker als die Börsen in anderen Ländern nachgegeben.

    Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte nach eigenen Angaben am 12. März den TNK-BP-Manager Ilja Saslawski und seinen Bruder Andrej Saslawski, Leiter eines Programms des Kulturinstituts British Council, "wegen Industriespionage" festgenommen. Den beiden wird zur Last gelegt, geheime Informationen an ausländische Energieunternehmen übergeben und somit russische Konzerne benachteiligt zu haben.

    Das Vorgehen der russischen Justiz gegen verschiedene Unternehmen haben sich bereits mehrmals negativ auf den russischen Effektenmarkt ausgewirkt. Das markanteste Beispiel dafür ist die Zerschlagung des einst größten russischen Ölkonzerns Yukos, deren Topmanager, darunter der Yukos-Gründer und Mehrheitseigner, Michail Chodorkowski, mehrjährige Haftstrafen absitzen. In der Vergangenheit hatte die russische Finanzbehörde Steueransprüche gegen große Unternehmen erhoben.

    Auch TNK-BP selbst musste im vergangenen Jahr dem Druck der russischen Justiz nachgeben und einen hohen Anteil am großen Gasfeld Kowykta an den vom Staat kontrollierten Gasmonopolisten Gazprom abtreten. Ihr Vorgehen gegen TNK-BP erklärte die Justiz in Moskau mit Verstößen des Konzerns gegen die in den Förderlizenzen enthaltenen Forderungen.

    "Es ist noch zu früh, davon zu sprechen, welche Auswirkungen der Spionageskandal um TNK-BP auf den russischen Markt haben wird", fuhr Gawrilenkow fort. Nach jedem Skandal in der Vergangenheit habe sich der Markt ziemlich schnell beruhigt. "Wir konnten keinen dramatischen Rückgang des Interesses ausländischer Unternehmen am Russland-Geschäft registrieren... Aber in jedem Fall werden britische Konzerne jetzt vorsichtiger auf dem russischen Markt vorgehen", sagte der Experte.

    Zudem hatten sich die Beziehungen zwischen Russland und Großbritannien drastisch verschlechtert, nachdem London Russland vergeblich um die Auslieferung des Unternehmers Andrej Lugowoi ersucht hatte, den die britische Justiz des Mordes am früheren russischen Geheimdienstoffizier Alexander Litwinenko verdächtigt.

    TNK-BP war 2003 durch die Fusion der russischen Energiekonzerne TNK, Sidanko und Onako sowie der Aktiva von British Petroleum (BP) in Russland und in der Ukraine gegründet worden. Das Unternehmen fördert Öl in Westsibirien, im Wolga- und im Uralgebiet, in Ostsibirien und auf dem Festlandsockel der fernöstlichen Insel Sachalin. Mit etwas mehr als 70 Millionen Tonnen Öl im Jahr ist TNK-BP der drittgrößte Förderer in Russland (nach Rosneft und LUKoil). 50 Prozent der Anteile an TNK-BP werden von BP gehalten. 25 Prozent der Aktien sind im Besitz der russischen Alfa-Group. Die Unternehmen Renova von Viktor Wekselberg und Access Industries von Leonard Blawatnik kontrollieren jeweils 12,5 Prozent der Anteile.