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    Ukraine gefährdet nach Vereinbarung mit Westinghouse Sicherheit eigener AKW - Experten

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    MOSKAU, 31. März (RIA Novosti). Die Unterzeichnung eines Vertrages zwischen Kiew und dem US-Unternehmen Westinghouse über die Lieferung von Kernbrennstoff an die Ukraine wird die Sicherheit der ukrainischen Atomkraftwerke nach Expertenansicht gefährden.

    "Die Bestückung von Druckwasserreaktoren WWER russischer Bauart mit amerikanischen Brennelementen ist ein gefährliches Spiel mit dem Feuer", behauptete der frühere Chef des weltweit ersten Atomreaktors in Obninsk bei Moskau, Juri Stuschnew, am Montag. Als Beispiel führte er die Entscheidung tschechischer Fachleute an, auf den Einsatz amerikanischer Brennelemente im Atomkraftwerk Temelin zu verzichten, in dem WWER-Reaktoren im Einsatz sind.

    Stuschnew stimmte der stellvertretende Direktor des Instituts für Probleme der Energieentwicklung der Regionen, Sergej Komarow, zu. "Der Einsatz von Westinhouse-Brennelementen in russischen Reaktoren ist enorm riskant... Vergleichen Sie zum Beispiel einen Mercedes- und einen BMW-Wagen. Beide sind gut. Wenn man aber im Mercedes-Motor ein BMW-Kolbenwerk benutzt, wird das Auto nicht fahren können. Diese fehlende Kompatibilität zwischen Atombrennstoff und Reaktor wurde in Tschechien und Finnland markant vor Augen geführt. Beide Länder kündigten ihre Verträge mit den Amerikanern auf und beziehen jetzt wie bislang Brennelemente des russischen Herstellers TWEL", sagte Komarow.

    Zudem sei US-amerikanischer Atombrennstoff im Vergleich zum russischen um ein Viertel teurer, sagte der Generaldirektor des russischen Verbandes für Energieeffizienz, Semjon Dragulski, unter Berufung auf westliche Medienberichte. "Das legt nahe, dass der Wechsel zu amerikanischen Brennelementen politische Hintergründe hat. "Der Vertrag wurde ohne Ausschreibung geschlossen, weil Politik mit im Spiel war... Zugleich denke ich, dass der amerikanische Brennstoff um etwa 40 Prozent teurer ist als der russische", sagte der Experte.

    Am Vortag unterzeichneten der Präsident des ukrainischen Atomkonzerns Energoatom, Juri Kowrischkin, und der Vizepräsident von Westinghouse Electric Sweden, Andres Jackson, ein Abkommen. Demnach soll die Ukraine zwischen 2011 und 2015 etwa 630 Brennelemente für drei Reaktoren beziehen.

    2000 hatten die Ukraine und die USA einen Vertrag über Erprobungen US-amerikanischer Brennelemente in ukrainischen Atomkraftwerken unterzeichnet. Im August 2005 wurde das Südukrainische Atomkraftwerk mit sechs amerikanischen Brennelementen bestückt. Weitere 42 Elemente sollen 2009 dazu kommen. Bislang ist der russische Hersteller TWEL Monopollieferant von Atombrennstoff an die ukrainischen Atomkraftwerke.

    Entsprechend der neuen Energiestrategie der Ukraine soll es zum Jahr 2030 im Land mindestens drei unabhängige Lieferanten von Brennelementen geben.

    Nach der Unterzeichnung teilte Energoatom mit, dass auch mit dem US-Konzern Holtec International ein Vertrag zustande gekommen sei. Laut dem Vertrag werden den drei ukrainischen Atomkraftwerken Technologien für die Behandlung verbrauchter Brennelemente zur Verfügung gestellt.

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