23:34 17 August 2017
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    Russische Regierung verteilt Schätze im Kontinentalschelf - „Rossijskaja Gaseta“

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    MOSKAU, 23. Juli (RIA Novosti). Alle früher für die Ausbeutung des Kontinentalschelfs nötige Ausschreibungen und Auktionen sind ab sofort abgeschafft, nur die Regierung ist von befugt, die Abschnitte des Kontinentalschelfs an die Konzerne zu vergeben, schreibt die Tageszeitung „Rossijskaja Gaseta“ vom Mittwoch.

    Die Neuerung ist in einem Gesetz über die Verabschiedung der Abänderungen an dem Gesetz über den Kontinentalschelf vorgesehen.

    Die Extraregelungen für die Gewinnung von Bodenschätzen auf dem Kontinentalschelf werden ganz bewusst festgesetzt. Die Erdöl- und Erdgasvorräte des Kontinentalsockels sind enorm. Laut Schätzungen belaufen sich die voraussichtlichen Öl- und Gasreserven hier auf jeweils mehr als 15,2 Milliarden Tonnen bzw. 84,5 Billionen Kubikmeter.

    Der Kontinentalschelf ist Russlands Nationalschatz. Ein entsprechender Regierungsbeschluss erlaube es, den Kontinentalschelf rationell zu benutzen, sagte der russische Staatschef Dmitri Medwedew, und fügte hinzu, dass dazu allerdings zusätzliche erläuternde Durchführungsakte notwendig seien.

    Unser Land beginnt gerade erst mit der Gewinnung von Bodenschätzen auf dem Kontinentalschelf. Laut Experten macht das auf dem Kontinentalschelf geförderte Erdöl lediglich einen Prozent der ganzen Erdölförderung in Russland aus. Eine Vorreiterrolle haben solche Projekte wie Sachalin-1 und Sachalin-2 gespielt, doch nicht alles lief immer reibungslos.

    Die Gesetzesänderung über den Kontinentalschelf erleichtert die amtliche Zuweisung von Sektoren, daher wird die für die vorschriftsmäßige Erledigung der Formalitäten nötige Zeit signifikant verkürzt. Das sollte eigentlich dazu führen, dass die Arbeiten auf dem Kontinentalschelf schneller beginnen könnten.

    Dabei aber sind in dem neuen Gesetz auch gewisse Einschränkungen enthalten, was beispielsweise die ausländischen Beteiligungen betrifft. Zu der Ausbeutung werden nur diejenigen Firmen zugelassen, die sozusagen in Russland gemeldet sind und wo 50 Prozent der Aktien russischen juristischen Personen gehören.

    Der Staat soll in der Lage sein, diese Firmen direkt oder indirekt kontrollieren. Mehr noch, der Nutzer des Kontinentalschelfs ist verpflichtet mindestens fünf Jahre Arbeitserfahrung nachzuweisen und dabei belegen, professionell die Gewinnung von Bodenschätzen auf dem Kontinentalschelf zu betreiben. Die Liste der Sektoren, die zur wirtschaftlichen Ausbeutung freigegeben werden, wird in Kürze von der Regierung zusammengestellt.

    Laut Experten werden die Rechte zur wirtschaftlichen Ausbeutung des Kontinentalschelfs in erster Linie staatlich kontrollierten Konzernen wie Rosneft und Gazprom bekommen. Was die ausländischen Beteiligungen betrifft, so bekommen die fremden Unternehmen das Recht, als Auftragnehmer sowie als Lieferanten der Ausrüstung und Technologien zu fungieren.

    Ob sie sich dafür interessieren, ist fraglich. Man muss bedenken, dass die Russen wenig Erfahrung besitzen, was die selbständige Ausbeutung des Kontinentalschelfs betrifft. Sollten aber die russischen Unternehmen mit der Gewinnung von Bodenschätzen auf dem Kontinentalschelf es ernst meinen, dann wäre es möglich, dass die Ausländer damit einverstanden wären, lediglich die zweite Geige zu spielen.

    Bei dieser Gelegenheit sei auch gesagt, dass der russische Energieriese Gazprom neulich das Ölfeld Tschajanda bekommen hat - ohne an Ausschreibungen oder Auktionen teil genommen zu haben.

    Es ist anzunehmen, dass die oben erwähnten Gesetzesänderungen damit verbunden sind, dass der Großteil des Kontinentalschelfs zu den so genannten strittigen arktischen Territorien gehört. Das sind nach Angaben von Experten 15 bis 26 Prozent des ganzen Kontinentalsockels. Dazu gehören in erster Linie ein Gebiet in der Barentssee, ein ganzes Territorium an der arktischen Kontinentalschelfgrenze und Abschnitte in der Beringsee, im Asowschen Meer sowie Schwarzen Meer.

    Laut Einschätzungen belaufen sich die voraussichtlichen Öl- und Gasreserven hier auf jeweils 879 Millionen Tonnen bzw. 6,14 Billionen Kubikmeter. Das gesamte Investitionsvolumen in den russischen Kontinentalschelf (ohne strittige Territorien) wird in Hohe von 61 Billionen Rubel (1 Euro = ca. 36,94 Rubel) bis 2050 veranschlagt.

    Für die strittigen Territorien würden zusätzlich von ein bis zwölf Billionen Rubel vonnöten sein. Das Förderpotenzial auf dem Kontinentalschelf könnte sich bis 2050 auf 80 bis 90 Millionen Tonnen Öl und Gas pro Jahr belaufen.

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