11:52 17 August 2017
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    Russland profitiert von Venezuelas Konflikt mit Westen - „Nowyje Iswestija“

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    MOSKAU, 23. Juli (RIA Novosti). Der venezolanische Präsident Hugo Chavez hat gestern in Moskau über die Details der militärtechnischen sowie der Energiezusammenarbeit mit Russland verhandelt, berichtet die Zeitung „Nowyje Iswestija“ am Mittwoch.

    Erst vor kurzem wurde der venezolanische Markt auch für russische Energiekonzerne wie Gazprom, Lukoil und TNK-BP geöffnet.

    Die russischen Unternehmen schließen rasch die Lücke, die die sich mit Caracas verzankten westlichen Unternehmen hinterlassen haben. „Venezuela ist für Russland ein sehr vielversprechender Markt, denn das ist ein Land mit enormen Ressourcen“, meint Wladimir Dawydow, Direktor des Instituts für Lateinamerika.

    „Die russischen Ausfuhren nach Venezuela belaufen sich bereits auf mehr als eine Milliarde US-Dollar - wir kennen nicht besonders viele Länder, die ebenfalls bereit wären, so im großen Stil bei uns einzukaufen. Die Hauptaufgabe besteht im Moment allerdings darin, den zivilen Sektor in unseren Handelsbeziehungen zu erweitern.

    Wir verkaufen bereits an Venezuela unsere Traktoren, Kamaz-LKWs und andere Erzeugnisse des russischen Maschinenbaus. Doch die Energiezusammenarbeit ist besonders wichtig zurzeit. Unsere Geschäftsleute werden in Venezuela bestimmt einen schweren Stand haben - das ist ein Schwellenland mit einer Übergangswirtschaft, wobei sie, wohl gemerkt, eine falsche Übergangsrichtung eingeschlagen hat.

    Doch die meisten Prognosen zeigen, dass die Energiepreise sehr hoch bleiben werden, was wiederum bedeutet, dass der venezolanischen Wirtschaft keine Gefahr eines Zusammenbruchs droht“. Den Schwierigkeiten mit dem Westen misst der Experte eine geringe Bedeutung bei.

    „Das Regime des Präsidenten Hugo Chavez ist nicht in den USA willkommen, doch es ist sehr möglich, dass der nächste US-Präsident Barack Obama sein wird, so dass die Beziehungen zwischen Caracas und Washington eine gewisse Tauwetterperiode erleben könnten. Zweitens, die USA genieren sich nicht, unsere Interessen sogar in unserem eigenen Vorgarten zu beeinträchtigen, warum sollten wir dann Angst haben und nicht zu versuchen, im Hinterhof Amerikas, sprich in Lateinamerika, umzuschauen“.

    Ein Konflikt Venezuelas mit dem Westen käme Russland sehr gelegen, so Alexej Makarkin, der Vizechef des Zentrums für politische Technologien. „Venezuela hat ein vitales Interesse, mit Russland enger zu kooperieren, für sie wäre diese Kooperation eine einmalige Chance, seine internationale Isolation zu durchbrechen“.

    Eine ernste Auseinandersetzung mit dem Westen sei kaum zu befürchten, so Makarkin. „In den Augen der US-Administration spielt Hugo Chavez exakt dieselbe Rolle, die Saakaschwilli in den Augen des Kremls spielt, solche Sticheleien würden aber dem Westen kaum Sorgen bereiten, denn er weiß genau: bei der Annäherung an Caracas würde Russland nicht zu weit gehen. Die USA und Europa betrachten solche Beziehungen ruhigen Herzens, es sei denn, die westlichen Medien würden abermals versuchen, Russland zu verspotten und zu kritisieren, diesmal für die Unterstützung eines autoritären Regimes.“

    Der autoritärer Führungsstil des venezolanischen Präsidenten sei für die russische politische Elite kaum eine Träne wert, so Makarkin weiter. „Doch die Geschäftsleute sollten dennoch diese Gegebenheit berücksichtigen. Die internationale Multis, die in Venezuela präsent sind, haben diesen Führungsstil längst an der eigenen Haut gespürt. So wurden solche Unternehmen wie ConocoPhillips und Exxon Mobil dazu gezwungen, Venezuela zu verlassen, nachdem Chavez beschlossen hat, die Ölbranche des Landes zu 60 Prozent zu verstaatlichen. Diejenigen, die geblieben sind (?hevron, Total, British Petroleum) mussten riesige Verluste in Kauf nehmen“.

    Die rein wirtschaftlichen Risiken seien für die russischen Firmen nicht besonders groß, sagt Makarkin. „Chavez, wie Putin übrigens auch, ist ein Silowik. Mit diesem russischen Wort für Macht werden im russischen Sprachgebrauch die Vertreter der Geheimdienste und der Armee bezeichnet. Sein politisches Gewicht verdanken sie beide den exorbitanten Ölpreisen, und solange diese Preise hoch sind, wird die Wirtschaft Venezuelas stehen.

    Die politischen Risiken halten sich ebenfalls in Grenzen - die amerikanischen Multis sind von Chavez verhasst, nicht aber die russischen. Beispielswiese mit dem einflussreichen russischen Energiekonzern Gazprom wird Chavez wohl leben können“.

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