17:57 24 September 2018
SNA Radio
    Wirtschaft

    Finanzkrise erfasst Russland: Die fetten Jahre sind vorbei - „Wedomosti“

    Wirtschaft
    Zum Kurzlink
    0 0 0
    MOSKAU, 18. September (RIA Novosti). Die Popularität des politischen Systems Russlands beruht auf dem hohen Tempo der Wirtschaftsentwicklung und auf der Vergrößerung der Realeinkommen der Bürger, schreibt die Tageszeitung „Wedomosti“ vom Donnerstag in einem Kommentar.

    Die aktuelle Finanzkrise sei die erste, doch vielleicht nicht die letzte Prüfung für den Kreml, um seine Fähigkeit als Krisenmanager unter Beweis zu stellen, so die Zeitung. Die Regierung und die Bürger haben schnell gelernt, sich zu amüsieren und im großen Stil Geld auszugeben, doch nun sei die Zeit gekommen, die Ärmel wieder hoch zu krempeln. Die wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Bürger könnten sich aber sehr schnell negativ auf die Standfestigkeit des politischen Gesamtsystems auswirken, urteilt die Zeitung.

    Der russische Fondsmarkt sei bei weitem nicht so gut entwickelt, wie der in den USA, deswegen tangiere die Entwertung des Marktes die Interessen der „einfachen Bürger“ nicht direkt. Die meisten Bürger würden sich nicht ärmer fühlen und ihr Konsumverhalten würde sich höchstwahrscheinlich nicht ändern.

    Sollte die aktuelle Krise jedoch einige Banken in Schwierigkeiten bringen und ein Domino-Effekt einsetzen, dann dürfte diese Krise schon für den „Iwan-Normalverbraucher“ viel schmerzhafter werden, als es bisher der Fall war. Denn die bereits infolge der vorherigen Finanzcrashs (1991, 1998) gesammelten negativen Erfahrungen der Russen machen die schlechten Erwartungen noch schlimmer, so die Zeitung.

    Die aktuelle Krise entstand vor allem durch ein viel besprochenes Risikoszenario, das auf einmal plötzlich Realität wurde: Durch die riesigen Außenschulden und die große Abhängigkeit der Märkte von der Situation auf dem Weltmarkt.

    Doch ist noch nicht alles verloren. Die russische Wirtschaft ist einfach dazu gezwungen, das „Treibhaus“ mit dem auf den hohen Erdölpreisen basierenden Wachstum zu verlassen. Den Russen erwartet eine schwierige Situation, in der Wachstum eine neue Qualität erhalten muss.

    Die heutige Finanzkrise zwingt die Machtoberen zu viel präziseren Schritten in der Wirtschaft, die nicht mit den Interessen von Lobbygruppen verbunden werden müssen. Ein Übergang zum flexiblen Wechselkurs des Rubels - eine Maßnahme, die von vielen Experten befürwortet wird - würde für Russlands Bankensystem und für die heimischen Warenhersteller von Nutzen sein. Doch die Firmen, die große Kredite im Ausland aufgenommen haben, würde sich eher benachteiligt fühlen. Klar ist auch, dass wir auch eine präzise Wirtschaftsstrategie brauchen, die eine etliche Strukturreformen beinhalten würde, fasst die Zeitung zusammen.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren