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    Finanzkrise: Medwedews neueste Kreditspritze von geringer Wirkung - Panik muss verhindert werden

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    MOSKAU, 08. Oktober (RIA Novosti). Die am Dienstag von der russischen Staatsführung beschlossenen neuen Finanzmaßnahmen sind zwar auf die Verhinderung von Bank- und Firmenkonkursen gerichtet, dieses Paket kann sich allerdings als unzureichend erweisen.

    Diese Meinung äußerten Experten, die von RIA Novosti befragt wurden.

    Russlands Präsident Dmitri Medwedew gab am Dienstag die Gewährung von Krediten in einem Gesamtwert von 950 Milliarden Rubel (ein Euro = 35,5 Rubel) an die größeren russischen Banken bekannt. Das größte russische Geldinstitut, Sberbank, soll 500 Milliarden Rubel davon bekommen.

    Die Geschäftsbanken können ebenfalls mit Staatskrediten in Höhe von 15 Prozent des gegenwärtigen Kapitals unterstützt werden, allerdings nur wenn die Bankaktionäre weitere 30 Prozent des Kapitals beisteuern würden.

    "Das ist nicht für die Aufrechterhaltung der Liquidität bestimmt, sondern für die Auszahlung von Schulden, damit sich die Banken nicht für Bankrott erklären und damit keine Panik in der Bevölkerung ausbricht", meinte Jelena Scharipowa, Analystin der Investmentgesellschaft Renaissance Capital.

    Zugleich verwies sie darauf, dass der Staat in erster Linie die Staatsbanken unterstützt. "Das ist auch verständlich, weil sie höhere Schulden haben, beispielsweise die VTB."

    Wie Kyrill Tremassow, Chef der analytischen Abteilung der Bank Moskwy, feststellte, zeugen die Maßnahmen der Staatsführung von einer Verschlechterung der Situation auf dem Markt. "Es wird klar eingesehen, dass die Krise bald den realen Wirtschaftssektor erreichen wird. Der nächste Schritt wäre eine Refinanzierung von Schulden der realen Wirtschaft."

    Nach seiner Ansicht wäre es "kompliziert, die Banken mit administrativen Maßnahmen zu zwingen, den realen Wirtschaftssektor mit Krediten zu unterstützen". Deshalb könnte Russlands Regierung von den US-Behörden das Beispiel nehmen und mit dem Aufkauf von Schulden russischer Unternehmen beginnen.

    Zugleich schloss er nicht aus, dass einige Banken dennoch Pleite gehen. Deshalb bewertete er positiv den Vorschlag, die garantierten Bankdepositen von den heutigen 400 000 auf 700 000 Rubel zu erhöhen. Die Staatsduma soll am Mittwoch einen entsprechenden Gesetzentwurf behandeln.

    Garegin Tossunjan, Präsident der russischen Bankenvereinigung, äußerte den Standpunkt, dass die Staatskredite einem größeren Kreis von Banken und nicht nur den größten gelten sollen.

    Indessen haben sich die größten russischen Öl- und Gasunternehmen bereits an den Staat mit der Bitte gewandt, ihnen Kredite zu marktwirtschaftlichen Bedingungen für die Deckung ihrer Verbindlichkeiten im Ausland zu gewährren.

    Wie Wagit Alekperow, Chef des Ölunternehmens Lukoil, mitteilte, richteten Gazprom, Lukoil, Rosneft und TNK-BP ihre Bitte an den Regierungschef, zusätzliche Mittel für die Deckung der Auslandsschulden und für die Fortsetzung ihrer Investitionstätigkeit bereitzustellen.

    Der Konzern Gazprom veröffentlichte am Dienstag eine offizielle Mitteilung, laut der das Unternehmen keinen Bedarf an einer zusätzlichen Finanzierung empfindet und sich der Bitte der größten Öl- und Gasunternehmen nur für den Fall des Eintretens außerordentlicher Umstände angeschlossen hat.

    Die gesamten Auslandsschulden der russischen Unternehmen belaufen sich nach Angaben des russischen Wirtschaftsministeriums auf 300 Milliarden Dollar.

    Das von Medwedew angekündigte Paket hat zwar den russischen Börsenhandel angespornt, aber nur für kurze Zeit. Beide Moskauer Börsen schlossen am Dienstag mit leichten Index-Verlusten.

    Experten verweigern jegliche Prognose der Marktdynamik, weil die jetzigen Preise an der Börse mit den Geldströmen der jeweiligen Unternehmen in keiner Beziehung stehen.

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