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    Finanzkrise: Ex-Premier Gaidar schließt Null-Wachstum in Russland nicht aus

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    MOSKAU, 14. Oktober (RIA Novosti). Dank den angehäuften Reserven hat Russlands Wirtschaft gute Chancen, mit den Folgen der globalen Finanzkrise fertig zu werden.

    Diese Meinung äußerte Russlands Ex-Premier Jegor Gaidar, Direktor des Instituts für die Wirtschaft der Übergangsperiode, gegenüber RIA Novosti.

    Die Verlangsamung der Wirtschaftsentwicklung könne aber ein bis zwei Jahre dauern, und die Behörden würden die Notwendigkeit ernsthafter Wirtschaftsreformen einsehen müssen, fügte er hinzu.

    "Ich würde nicht ausschließen, dass die globale Entwicklung ein Null-Wachstum in Russland in den nächsten zwei Jahren verursachen würde", sagte Gaidar. Dabei würdigte er die Gründung des Stabilisierungsfonds, in den Mehreinnahmen aus den hohen Ölpreisen flossen, als den Schlüsselfaktor der jetzigen relativen Stabilität der Wirtschaftssituation in Russland.

    Zugleich verwies er auf die Gefährlichkeit der großen Anleihen der Staatsunternehmen, die vor dem Hintergrund einer konservativen Kreditpolitik des Finanzministeriums aufgenommen wurden. Nach dem Stand von Mitte dieses Jahres beliefen sich die gesamten Außenschulden der russischen Regierung, der Unternehmen und der Banken auf 527 Milliarden Dollar, von denen der Anteil des Finanzministeriums nur 35 Milliarden Dollar betrug.

    "Die verantwortungsvolle Haushaltspolitik, die auf eine Verringerung der Verbindlichkeiten gerichtet war, ging mit einer äußerst liberalen Haltung des Staats gegenüber den Anleihen der Staatsunternehmen einher, die der Markt als Staatsschulden betrachtete", stellte Gaidar fest. "Nun ernten wir die Folgen dieser Politik. Die wichtigsten Entscheidungen wurden vor einem, zwei oder drei Jahren getroffen, als beispielsweise Gazprom massiv kurzfristige Anleihen aufgenommen hat."

    "Wir haben Lehren aus dem Kollaps der sowjetischen Wirtschaft 1991 und der Krise von 1998 gezogen und recht große Instrumente geschaffen, die für die Stabilität des Geld- und Finanzsystems sorgen", sagte der Wirtschaftsexperte.

    "Die jüngste Entwicklung zeigt, wie richtig die Entscheidung der russischen Geldbehörden war, die in der Zeit der günstigen Öl- und Gaspreis-Konjunktur Reserven angeschafft haben, die heute die Möglichkeit bieten, die Krise zu managen."

    Nach seiner Ansicht würden die russischen Behörden die Finanzstabilität bei dem gesunkenen Tempo des Wirtschaftswachstums und dem radikal geschrumpften Kapitalzustroms beibehalten können, wenn dabei keine groben Fehler gemacht werden. Zu solchen Fehlern zählte er einen rapide steigenden Verbrauch des Stabilisierungsfonds und das stürmische Wachstum der Haushaltsausgaben.

    "Die Weltwirtschaft wird langsamer wachsen als in den Jahren 2002 bis 2007", führte er weiter aus. "Für uns bedeutet dies das Risiko eines langfristigen Rückgangs der Metallpreise. Die Ölpreise lassen sich zwar kaum prognostizieren, in solchen Perioden gehen aber die Ölpreise üblicherweise zurück."

    Der Barrelpreis für die russische Ölmarke Urals liegt derzeit bei rund 70 Dollar. Dabei wurde der Staatshaushalt für 2009 ausgehend vom Barrelpreis in Höhe von 95 US-Dollar berechnet.

    "Die Dauer der jetzigen ernsthaften Verlangsamung des Wachstumstempos lässt sich äußerst schwer voraussagen", stellte Gaidar abschließend fest. "Hypothetisch könnte man annehmen, dass wir diese schwierige Periode kaum früher als in einem oder zwei Jahren bewältigen werden."

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