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    Neuer Gaskrieg zwischen Gazprom und Ukraine im Anmarsch - "Kommersant"

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    Gazprom droht der Ukraine, einen Gaspreis von mehr als 400 Dollar je 1000 Kubikmeter festzulegen, wenn Naftogas Ukrainy nicht seine Schulden von 2,4 Milliarden Dollar tilgt, schreibt die russische Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    MOSKAU, 21. November (RIA Novosti). Gazprom droht der Ukraine, einen Gaspreis von mehr als 400 Dollar je 1000 Kubikmeter festzulegen, wenn Naftogas Ukrainy nicht seine Schulden von 2,4 Milliarden Dollar tilgt, schreibt die russische Zeitung "Kommersant" am Freitag.

    Dass der russische Gasriese es ernst meint, bestätigte Präsident Dmitri Medwedew in scharfer Form. Diesmal stecken hinter den Schritten Gazproms nicht nur politische, sondern auch wirtschaftliche Gründe. Der russische Konzern erwartet ausbleibende Zahlungen auf dem Inlandsmarkt und Gewinnverlust um 1,5 Prozent des Jahresplans. Das bedeutet ein Verlust von zwei Milliarden Dollar Reingewinn im Jahr.

    Die Ukraine erkennt Russlands Forderungen nicht an. Wladimir Trikolitsch, stellvertretender Chef der Naftogas Ukrainy, präzisierte, dass die Schulden gegenüber dem Zwischenhändler RosUkrEnergo (gehört zu 50 Prozent Gazprom und ist der einzige Gaslieferant für die Ukraine) betrage für dieses Jahr "unter Berücksichtigung aller Nuancen nur 1,26 bis 1,27 Milliarden Dollar", gegenüber Gazprom habe sie "keine Schulden".

    Andrej Knutow, Vertreter von RosUkrEnergo, präzisierte jedoch, dass sich außerdem eine Verzugsstrafe für die verspätete Gasbezahlung von ca. 300 Millionen Dollar angehäuft habe und dass die Lieferungen für den November zu beinahe 900 Millionen Dollar noch nicht bezahlt worden seien.

    Laut Angaben von Quellen, die mit den Verhandlungen bekannt sind, bot Gazprom Anfang der Woche Naftogas Ukrainy an, die Schulden von 2,4 Milliarden Dollar mit den Transitkosten für Gazprom für die kommenden zwei Jahre zu verrechnen. Dabei sollte der derzeit geltende Transitpreis von 1,7 Dollar für 1000 Kubikmeter je 100 Kilometer beibehalten werden. Aber in diesem Fall wird die ohnehin defizitäre Zahlungsbilanz von Naftogas eine garantierte Gewinnquelle verlieren. Die Gesprächpartner versichern, dass die Ukrainer bereits am Mittwoch das Angebot von Gazprom abgelehnt hätten.

    Nach Ansicht von Experten werde der Gaskrieg zwischen der Ukraine und Russland angesichts der Finanzkrise nicht nur politische Hintergründe haben: Gazprom versucht, die ausfallenden Einnahmen zu kompensieren. Valeri Nesterow von Troika Dialog findet, dass die sinkende Gasförderung durch den geringer werdenden Kauf gelieferter Gasmengen in Russland und Europa die Planzahlen des Reingewinns von 34,7 Milliarden Dollar um sechs bis sieben Prozent verinngern werde. Der Reingewinn von Gazprom werde also um zwei Milliarden unter dem Plan liegen.

    Wie Nesterow präzisiert, muss außerdem die sinkende Gasnachfrage in Europa in Betracht gezogen werden. "Die Europäer haben ihre unterirdischen Gasdepots dank niedrigeren Preisen (heute etwa 500 Dollar pro 1000 Kubikmeter) voll ausgelastet, und ihr Gasbedarf liegt zeitweilig weit unter dem geplanten", erläutert der Analyst. Gazprom habe bereits die Prognose für die Verkäufe im fernen Ausland von 166,8 auf 161 Milliarden Kubikmeter gesenkt.

    Außerdem drohen dem Gas-Monopolisten ausbleibende Zahlungen. "Die Meschregiongas wird im nächsten halben Jahr ernsthaft arbeiten müssen, um das Geld zusammenzukriegen", sagte Anfang der Woche Valeri Golubew, stellvertretender Gazprom-Chef. Wie eine Quelle bei Gazprom erläuterte, gehe das Geld für Gas noch ein, aber schon haben mehrere Großunternehmen des Energiemarkts, Hüttenwesens und der Zementindustrie mitgeteilt, sie würden Ende November ihre Schulden nicht begleichen können.

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