21:44 21 August 2017
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    Gazprom will sich gegen künftigen Preis- und Gewinnrückgang absichern - "$martMoney"

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    MOSKAU, 24. November (RIA Novosti). Der russische Gaskonzern wünscht sich nichts so sehr, als sofort von der Ukraine die 2,4 Milliarden US-Dollar Gasschulden zu erhalten, schreibt die Zeitschrift "$martMoney" am Montag.

    Die russischen Gasunternehmer haben jetzt ernsthafte Gründe, an die Rückerstattung der Schulden zu denken. Im kommenden Sommer wird für sie eine schwere Zeit anbrechen. Statt der erwarteten 500 Dollar pro 1000 Kubikmeter, was erst vor wenigen Monaten noch real erschien, kann der Gaspreis bis auf 200 Dollar abfallen.

    Da der Gaspreis mit dem Ölpreis auf den Weltmärkten mit einem zeitlichen Schritt von 6 bis 9 Monaten verbunden ist, wird Gazprom den drastischen Rückgang der Ölpreise im kommenden Frühjahr zu spüren bekommen. Einen zusätzlichen Druck auf den Preis wird auch die abnehmende Nachfrage nach Gas wegen des warmen Winters und der Wirtschaftskrise ausüben. Also muss der Konzern schon jetzt für die Senkung der Ausgaben und eine Revision des Investprogramms Sorge tragen.

    Das ist ein empfindliches Thema für Gazprom. Der Investitionsbedarf des Unternehmens steigt von Jahr zu Jahr, da die Gewinnung in den alten Vorkommen abnimmt: Statt der in diesem Jahr erwarteten 561 Milliarden Kubikmeter werden es nur 552 bis 553 Milliarden sein.

    Um den Inlandsmarkt zu decken und den Exportverpflichtungen nachzukommen, müssen neue Vorkommen in Betrieb genommen werden. Die Erschließung des Bowanenkowskoje-Vorkommens auf Jamal zum Beispiel wird mindestens 100 Milliarden US-Dollar erfordern. Früher fiel es Gazprom leicht, westliches Geld heranzuziehen, aber jetzt ist das selbst für solche erstklassigen Kreditnehmer kompliziert.

    Die russischen Banken sind zwar bereit, Gazprom Kredite auszureichen: Vier der Banken haben vor kurzem eine Kreditlinie von insgesamt 50 Milliarden Rubel eröffnet. (1 Euro = ca. 34,5 Rubel.) Aber das macht nur die Hälfte der ukrainischen Schulden aus.

    In einer solchen Situation ist jede, selbst theoretische Möglichkeit wichtig, sich gegen den künftigen Preisabstieg und eine dramatische Gewinnabnahme abzusichern. Gazprom möchte die nicht sehr angenehmen Erfahrungen der Ölindustriellen nicht erleben.

    Nicht von ungefähr begann gerade in diesem Herbst die seit langem erörterte Idee, eine Gas-OPEC zu schaffen, reale Konturen anzunehmen. Schon in dieser Woche könnte die Satzung des Forums der Gas exportierenden Länder vereinbart werden. Seine Bestätigung ist Ende Dezember bei einem Treffen der Energieminister in Moskau möglich.

    Zum erwähnten Forum gehören die weltgrößten Gasproduzenten: Russland, Iran, Algerien, Indonesien, Libyen, Malaysia, Nigeria, die Vereinigten Arabischen Emirate, Katar, Ägypten, Trinidad und Tobago sowie Venezuela. Hierbei entfallen rund 70 Prozent des europäischen Gasimports auf Russland, Algerien und Nigeria. Den restlichen Bedarf decken Norwegen (will den Treffen des Forums als Beobachter beiwohnen) und die Niederlande.

    Zwar ist von einer Monopolabsprache und einer Preiskontrolle keine Rede, aber die Produzenten könnten ihre Stellungen auch mit anderen Methoden festigen. Beispielsweise durch die Aufteilung der Exportmärkte unter sich. In diesem Fall könnten sich die europäischen Länder von ihrem Traum von der Diversifizierung der Gaslieferungen und einer verminderten Abhängigkeit von Russland verabschieden.

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