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    Die Russen trinken wegen der Finanzkrise anders - „Nowyje Iswestija“

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    MOSKAU, 24. November (RIA Novosti). Die Warenlager in Russland sind voll mit Alkohol, der keinen Absatz findet. Darüber schreibt die Zeitung „Nowyje Iswestija“ vom Montag.

    Die eingelagerten Alkoholmengen sind zurzeit vier bis sechs Mal größer als im Vorjahr. Laut Experten haben die Russen wegen der Krise weniger Hang dazu, Spirituosen in solchen Umfängen wie früher zu konsumieren. Es gibt aber auch eine andere Version: Der russische Normalverbraucher hat sich auf illegal hergestellte und daher auch billigere alkoholische Getränke umgestellt, wobei die Nachfrage im Großen und Ganzen auf dem früheren Niveau geblieben ist.

    „Es gibt einen Überschuss, die übermäßigen Warenvorräte sind in diesem Jahr in der Tat größer, als im Vorjahr, doch bei weitem nicht um eine Größenordnung, wie behauptet wird“, sagte Vadim Drobis von der Russischen Industrie- und Handelskammer. Dabei sei es offensichtlich, dass die Nachfrage nicht geringer geworden sei, um so mehr, wenn man bedenke, dass die Neujahrsfeiertage näher rücken würden.

    Fast jeder Russe werde auf die eine oder andere Weise eine Möglichkeit finden, um sich Hochprozentiges für das Neujahrsfest zu beschaffen, und es sei ihm egal, wenn er danach vielleicht bis über die Ohren in Schulden stecken würde, so Vadim Drobis.

    Die Krise habe nicht den Konsum, sondern die Struktur des Marktes geändert, sagt Drobis weiter. Die legal hergestellten Spirituosen, in erster Linie Wodka, würden in der Tat weniger gekauft, der Einzelhandel habe Verkaufseinbußen zu verzeichnen, doch das bedeute nicht, dass der Spirituosenmarkt abgenommen habe.

    „Die Einbußen im legalen Sektor werden durch die wachsenden Gewinne im illegalen Sektor ausgeglichen“, sagt Vadim Drobis. Die Kredite seien teuerer geworden, daher sei auch die legale Produktion alkoholischer Getränke geschrumpft, unterstreicht Drobis weiter. Die finanzielle Lage sei überall schwer, sowohl in der Produktion als auch im Einzelhandel. Cognak und Sekt würden weniger hergestellt, der legale Wodka sei zu teuer geworden (ab 75 Rubel je Flasche, ca. 2 Euro), daher habe sich der Normalverbraucher auf die illegal hergestellten und daher auch billigeren Spirituosen umgestellt.

    Die Prognosen geben wenig Grund zum Optimismus. Alle Recherchen sagen für das kommende Jahr eine markante Krise des Alkoholmarktes in Russland voraus. Die teuren Kredite werden manche Betriebe in den Ruin treiben. 2009 wird die Zahl der im Alkoholbereich tätigen Betriebe wohl um die Hälfte zurückgehen.

    Die billigeren legalen Wodkasorten (bis 100 Rubel, ca. 3 Euro) werden fast vollständig von nachgemachten illegalen Marken verdrängt sein (gegenwärtig beträgt dieser Anteil 40 Prozent). Die Experten sehen schwarz. Die Bars und Restaurants, wo Spirituosen normalerweise mit einem teilweise 500-prozentigen Aufschlag verkauft werden, werden wohl leer stehen, die Russen werden wohl ihre Sorgen und ihren Frust zu Hause im Alkohol ertränken.