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    EU und Russland im Nervenkrieg um Pipeline-Projekte - Russlands Presse

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    MOSKAU, 29. Januar (RIA Novosti). Als Antwort auf die Zustimmung Europas zum Bau der Nabucco-Pipeline hat der russische Gasriese Gazprom die Erweiterung seines „South-Stream“-Projekts angekündigt. Darüber schreiben die Tageszeitungen „RBC Daily“ und „Wedomosti“ am Donnerstag und die Internetzeitung „Gazeta.Ru“ am Mittwoch.

    Experten vertreten die Meinung, dass beide Seiten massive bluffen und dabei einen Nervenkrieg betreiben. Aber alles der Reihe nach: Die EU-Kommission hat sich dazu entschieden, die Nabucco-Pipeline in seinen 3,5 Milliarden Euro teuren Energieplan einzubeziehen. Die Antwort des Gazprom-Vizes Alexander Medwedew ließ nicht lange auf sich warten. Der russischen Monpolist sei bestrebt, die Leistung der „South-Stream“-Pipeline drastisch zu erhöhen, hieß es.

    Alexander Stock vom Beratungsunternehmen „2K Audit - Delowyje Konsultazii“ unterstreicht, dass eine zusätzliche Gasmenge von 16 Milliarden Kubikmeter geplant sei. Exakt dieses Gasvolumen fehlt der Nabucco-Pipeline, um eine volle Auslastung zu erreichen.

    Branchenkenner haben bereits mehrmals zu bedenken gegeben, dass die Nabucco-Pipeline mit ihrem Gas (31 Milliarden Kubikmeter jährlich) nicht in der Lage sei, einen entscheidenden Einfluss auf den Gasverbrauch Europas (700 bis 800 Milliarden im Jahr) auszuüben. Dennoch werden die Nabucco-Pipeline und die beiden „Ströme“ aus Russland („North Stream“ und „South Stream“) als Projekte betrachtet, die in scharfer Konkurrenz zueinander stehen.

    Sollte Europa die Wahl zugunsten der Nabucco-Pipeline treffen, so könnte eine Kettenreaktion in Gang gebracht werden. Dann würde man angrenzende und gleichartige Projekte umsetzen wollen, die einen Teil der Gaslieferungen nach Europa übernehmen würden.

    „Die EU ist gerade dabei, alle Pros und Kontras, die mit konkurrierenden Projekten verbunden sind, abzuwägen“, sagt Alexander Schatilow, Experte vom Zentrum für politische Konjunktur. „Einerseits will die EU demonstrativ nicht, von der unvorhersehbaren und imperialen Russischen Föderation abhängig sein, insbesondere vor dem Hintergrund ständiger Gasstreitereien zwischen Russland und der Ukraine. Andererseits aber ist es ihr absolut klar, dass das Nabucco-Projekt ebenfalls nicht risikolos ist. Abgesehen von den riesigen Investitionen, die für diese Pipeline nötig wären, geht es in erster Linie darum, dass wegen dieser Röhre die Zahl der Transitländer stark zunimmt, und jedes dieser Länder könnte dann urplötzlich Launen haben. Außerdem wird sich die EU mit Iran an einen Tisch setzen müssen, um die Gaslieferungen zu vereinbaren, doch es ist bekannt, dass der iranische Präsident Mahmud Ahmadinedschad in der Europäischen Union wenig beliebt ist.“

    Wie auch immer: Experten weisen darauf hin, dass die EU derzeit darüber sinniert und der Dialog weitergeführt wird. „Es ist klar, dass die Seiten bluffen und versuchen, psychologischen Druck auszuüben“, sagt Dmitri Baranow vom Investmentunternehmen „IK Finam“. Dabei könne sich die Menge des von Gazprom gelieferten Gases in eine oder in eine andere Richtung ändern, das wichtigste aber bleibt konstant: Russland und Europa seien auf immer und ewig zum Gashandel verdammt, stellt Baranow fest.

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