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    Kein Gas für Nabucco-Projekt - „Kommersant“

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    Eine der Folgen der abermalig entfachten Diskussion um die Gaslieferungen nach Europa war die erneute Schlussfolgerung: Das Nabucco-Projekt taugt nicht viel, doch dessen Beerdigung muss dennoch verschoben werden, wie Michail Krutichin von der russischen Nachrichtenagentur RusEnergy in der Freitagsausgabe der Zeitung „Kommersant“ schreibt.

    MOSKAU, 30. Januar (RIA Novosti). Eine der Folgen der abermalig entfachten Diskussion um die Gaslieferungen nach Europa war die erneute Schlussfolgerung: Das Nabucco-Projekt taugt nicht viel, doch dessen Beerdigung muss dennoch verschoben werden, wie Michail Krutichin von der russischen Nachrichtenagentur RusEnergy in der Freitagsausgabe der Zeitung „Kommersant“ schreibt.

    Die Nabucco-Pipeline muss gebaut werden, wenn auch nicht sofort. Was dem Projekt fehlt, ist das Gas. Aserbaidschan wird etwas geben, doch nicht viel, Turkmenien ist weit entfernt, Iran leidet selbst unter Gasmangel, Irak und Ägypten sind Gesprächspartner für die ferne Zukunft.

    Doch die Europäer, die um ihre Energiesicherheit äußerst besorgt sind, müssen zwei Sachen berücksichtigen. Zunächst einmal: Das Problem der Gaslieferwege ist allein nicht durch deren Diversifizierung zu lösen. Die Gazprom-„Ströme“ - „Nord Stream“ (Ostseepipeline) und „South Stream“ (von der Schwarzmeerküste nach Süd- und Mitteleuropa) - können zum Teil die in Verruf geratene Lieferroute durch die Ukraine ersetzen, doch die Abhängigkeit von Russland bleibt dennoch bestehen.

    Solch ein Szenario ist für die EU keine Garantie für die Zukunft, denn Gazprom wird gleichzeitig als Produzent, Lieferant, Spediteur und Verkäufer auftreten. Die Nabucco-Pipeline wird bestimmt eine „diversifizierende“ Rolle spielen, doch es wird dabei nicht um die Lieferwege gehen, sondern auch um die Gasquellen.

    In diesem Spiel erhalten ihren Part auch Kasachstan, Turkmenien, Iran und Aserbaidschan. Es wird bereits eifrig auf die Steigerung der Liefermengen aus Nordafrika und den Bau von neuen Flüssiggas-Terminals in Europa hingearbeitet.

    Ein zweiter Faktor, der sich mit Sicherheit auf das Schicksal des Nabucco-Projekts auswirken wird, liegt in der Erwartung unvermeidlicher Gasengpässen in Russland selbst. Die von Gazprom unabhängigen Unternehmen haben in Russland vergangenes Jahr insgesamt etwa 90 Milliarden Kubikmeter Gas gefördert. Nun sehen sich dazu gezwungen, die Investitionen in die Förderung wegen der Finanzkrise zu drosseln.

    Nach Gazprom-Angaben dürfte die Jahresförderung ab 2010 um 60 Milliarden Kubikmeter Gas geschrumpft sein, im Jahr 2030 sogar um 470 Milliarden. Die neuen Förderprojekte dürften erst ab 2011 in Betrieb gehen. Das Gas von der Jamal-Halbinsel wird zunächst einmal sehr spärlich fließen, das Gas vom Stockmann-Feld wird vor allem in flüssiger Form geliefert, andere Vorkommen werden bestenfalls erst 2015 bis 2018 betriebsbereit sein.

    All das wird die Nabucco-Pipeline am Leben erhalten, auch wenn es Gazprom tatsächlich gelingen sollte, seine ambitionierten Projekte zum Bau von Pipelines unter Umgehung der Ukraine und Weißrusslands umzusetzen.