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    Gazprom macht Rückzieher bei Kowykta-Deal - Russlands Presse

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    MOSKAU, 04. Februar (RIA Novosti). Die fast zehnjährige Debatte über die Art der Gazprom-Beteiligung an der Erschließung des Gasfeldes Kowykta ist im Sand verlaufen, schreibt Russlands Presse am Mittwoch.

    Die Verhandlungen über den Einstieg Gazproms in das Förderprojekt auf dem riesigen Gaskondensatvorkommen in Ostsibirien seien unterbrochen worden, erklärte Tony Hayward, Chef des britischen Ölkonzerns BP, am Dienstag.

    Das Geschäft, bei dem Gazprom bei TNK-BP 62,9 Prozent der Aktien der Gesellschaft Rusia Petroleum, Betreiber Kowykta-Feldes mit einem Gasvorrat von mehr als zwei Billionen Kubikmeter, kaufen soll, wird seit bereits anderthalb Jahren aufgeschoben. Im Sommer 2007 erklärte die Russische Behörde für Bodenschätze (Rosnedra), die Lizenz für Rusia Petroleum könnte wegen des ungenügenden Umfangs der Gasgewinnung entzogen werden. Das Entzugsverfahren wurde ausgesetzt, nachdem sich der russisch-britische Konzern TNK-BP bereit erklärt hatte, seinen Kowykta-Anteil an Gazprom zu verkaufen.

    Der BP-Chef hofft nach eigenen Angaben nicht allzu sehr auf eine Wiederbelebung der Verhandlungen, dazu seien sie "viel zu tief eingefroren". Doch wird inoffiziell sowohl bei Gazprom als auch bei TNK-BP gemunkelt, dass die Kontakte auf der Leitungsebene der beiden Gesellschaften weiter bestünden, darunter auch im Bezug auf das Kowykta-Geschäft.

    Hierbei werfen sich beiden Seiten gegenseitig vor, den Abschluss des Deals zu bremsen. Der Staat verharrt in der Wartestellung: Laut Angaben der Zeitung „RBC Daily“ will die zuständige Rosnedra-Kommission in ihrer nächsten Sitzung nicht die Wegnahme der Kowykta-Lizenz behandeln.

    "Nachdem für den Aufsichtsrat von TNK-BP der mit Premier Wladimir Putin befreundete Gerhard Schröder nominiert worden ist, bleibt es zweifelhaft, dass TNK-BP die Lizenz verliert, eher wird der Gesellschaft empfohlen werden, ihren Preisappetit zu mäßigen", so ein Beamter des russischen Ministeriums für Naturressoucen.

    Für Gazprom habe es keinen Sinn, derzeit einen Anteil am Projekt zu kaufen, denn es könne noch den Entzug der Lizenz und deren Übertragung an den Gasmonopolisten zu günstigeren Bedingungen erwarten, stellt eine Quelle bei Gazprom fest.

    Michail Krutichin, Partner der Beratungsfirma RusEnergy, findet, dass Gazprom zurzeit Kowykta überhaupt nicht brauche. Seiner Meinung nach hat der russische Gasriese sein Ziel erreicht, nämlich ein konkurrierendes Projekt - den Gasexport von Kowykta nach China - torpediert.

    Da die Erschließung des Vorkommens jetzt auf Eis gelegt ist, habe es keinen Sinn, für diese Lizenz zu zahlen, erst recht in einer Situation, weil das Geld für aktuellere Projekte notwendig sei.

    Quellen: "RBC Daily", "Gaseta", "Kommersant" vom 04.02.09.