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    Überwindung der Krise in Russland erst 2011 zu erwarten - Analyse

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    Die auf den Rohstoffexport orientierte Wirtschaft Russlands wird als eine der letzten die jetzige globale Krise überwinden.

    NEW YORK, 09. Februar (RIA Novosti). Die auf den Rohstoffexport orientierte Wirtschaft Russlands wird als eine der letzten die jetzige globale Krise überwinden.

    Diese Meinung äußerte der namhafte Moskauer Wirtschaftsprofessor Wladimir Kwint in einem RIA-Novosti-Gespräch.

    "Die jetzige Krise duldet keine Stabilitätsinseln", stellte er fest. "Die Industrieländer, die unter den ersten das Rezessionsstadium erreicht haben, werden dieses als erste auch verlassen. Ich denke, dass sich die US-Wirtschaft bereits Ende dieses Jahres wieder bergauf entwickeln wird. In Russland wird dieser Prozess bis Ende 2010 bzw. Anfang 2011 dauern."

    Kwints neuestes, im Januar in den USA erschienenes Buch "The Global Emerging Market: Strategic Management and Economics" wird im Mittelpunkt eines Symposiums stehen, das vom UN-Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC) veranstaltet wird.

    Kwint war der erste, der den Wirtschaftsbegriff "Global Emerging Market" in Umlauf gesetzt hat, der die bisherige Wirtschaftskategorisierung "Industrieländer - Entwicklungsländer" verdrängte.

    Zu den "Emerging Markets" zählt der international renommierte Wirtschaftsfachmann die BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien und China) sowie weitere 79 Länder, auf die heute rund 50 Prozent des globalen BIP entfallen.

    "Diese Märkte sind nicht homogen", so der Experte. "Die Rohstoffwirtschaft hat Russlands Streben nach Hochtechnologien gebremst, nur die Nanotechnologien entwickeln sich dort heute gut. Leider hat Russland keine Wirtschaftsstrategie. Eine echte langfristige Strategie hat heute eigentlich nur China. Ich denke, dieses Land wird gegen 2030 im BIP zu den USA aufschließen, wobei die Vereinigten Staaten weiterhin den Status einer Großmacht beibehalten werden."

    Russland habe 2006 bis 2008, als die Rohstoffpreise, die rund 80 Prozent des Exports ausmachen, rasch anstiegen, seine Chance auf eine strukturelle Modernisierung verpasst, stellt Kwint fest. "In jenen Jahren hätte man die Investitionen in Bildung und Forschung mehrfach steigern müssen. Das ist aber nicht geschehen, was bedeutet, dass es bis 2020 keine radikalen strukturellen Veränderungen in der Wirtschaft des Landes geben wird."

    "Die Emerging Markets werden die jetzige globale Krise abdämpfen", meint Kwint. "Dank ihnen wird das globale BIP in diesem Jahr um 2,5 bis 2,7 Prozent wachsen, während das BIP-Wachstum in den USA und den EU-Ländern bei bzw. unter dem Nullwert liegen wird."

    Der Professor teilt nicht die Meinung, dass die neueste Krise einen Zusammenbruch der liberalen Wirtschaft bedeuten würde.

    "Es gibt keine Linkswende in der Welt, es gibt nur die natürliche Reaktion der Regierungen, die sich einmischen und ihre Wirtschaften unterstützen möchten. Bisher war die Welt vom romantischen Liberalismus geprägt, man hat geglaubt, dass der Markt alles selbst regulieren kann. In die jetzige Krise haben sich endlich die Regierungen eingemischt."

    "Sobald die Krise vorbei ist, muss sich die Rolle des Staates unverzüglich wieder verringern", betont er. "Die erworbenen Aktien, die zu dem Zeitpunkt wieder teurer werden, sollen öffentlich versteigert werden, was zu neuen Haushaltseinnahmen und wachsender Effektivität führen wird."

    Die Regierungen sollten sich mit der Regulierung der Wirtschaft, nicht aber mit der Wirtschaftsleitung befassen, weil das Management der Staatsstrukturen in der Regel weniger effektiv ist. In diesem Zusammenhang verwies er auf das bekannte Zitat von Ronald Reagan. "Die Regierung ist keine Lösung des Problems, sie ist selbst ein Problem."

    Russlands Staat, der jetzt wie auch die anderen Staaten seinen Anteil an den zuvor privatisierten Unternehmen vernünftigerweise vergrößert, werde in Versuchung geraten, diese Anteile bei sich zu behalten, insbesondere angesichts des negativen Eindrucks, den die Privatisierung durch die Oligarchen der 90-er Jahre bei den meisten Russen hinterlassen hat.

    "Man soll nicht denken, dass dieser Massenaufkauf der abgewerteten Aktiva weltweit zu einer Wiedergeburt des Staatskapitalismus führen würde", betont Kwint. "Das wird nicht geschehen, es sei denn, dieser wird versehentlich in Russland aufgebaut."

    In seiner Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos hatte Russlands Premier Wladimir Putin Ende Januar erklärt, er sei gegen einen übermäßigen Protektionismus und gegen eine zu starke Einmischung des Staates in die Wirtschaft.

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