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    Gazprom hält trotz Einnahmeneinbruch an kostspieligen Pipeline-Projekten fest

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    MOSKAU, 09. Februar (RIA Novosti). Die Exporteinnahmen des russischen Energiekonzerns Gazprom werden dieses Jahr um 18,8 bis 25,6 Milliarden zurückgehen, dennoch will der Gasriese auf das kostspielige South-Stream-Projekt nicht verzichten.

    Wie die Tageszeitung "Kommersant" am Montag schreibt, hat Gazprom im vergangenen Jahr 179 Milliarden Kubikmeter Gas zu einem Durchschnittspreis von 409 Dollar pro 1 000 Kubikmeter verkauft. Damit hätte der Erlös aus dem Verkauf in Europa 73,2 Milliarden Dollar betragen müssen.

    Wie die russische Zollbehörde am Freitag jedoch mitteilte, belief sich dieser Betrag lediglich auf 66,4 Milliarden Dollar. Nach Angaben der Zeitung ist der Unterschied darauf zurückzuführen, dass ein Teil dieses Gases in Europa gekauft und dort auch weiter verkauft wurde.

    In diesem Jahr wird der Verkaufsumfang auf 170 Milliarden Kubikmeter zurückgehen, während der Tarif auf 280 Dollar pro 1000 Kubikmeter fallen wird. Damit werden die Exporteinnahmen des Gasmonopolisten maximal 47,6 Milliarden Dollar betragen.

    Gazprom-Vizechef Alexander Medwedew schließt dabei nicht aus, dass diese Zahl auf rund 42 Milliarden Dollar sinken könnte.

    Außerdem wird ein Rückgang der Fördermenge um 40 Milliarden auf 510 Milliarden Kubikmeter erwartet, nachdem die Ukraine und die EU-Länder den Gasverbrauch im Januar verringert haben.

    Dennoch will Gazprom das teuerste Projekt seiner Geschichte, die Pipeline South Stream, starten. Am vergangenen Freitag gab Medwedew erstmals den Pipeline-Etat bekannt: 19 bis 24 Milliarden Euro. Mindestens vier Milliarden davon werden auf den Meeresabschnitt der Pipeline entfallen, die ein Gazprom-ENI-Joint Venture bauen soll.

    Weitere 15 bis 20 Milliarden wird der Abschnitt von Bulgarien bis Österreich (1 300 Kilometer) und bis zur Adria-Küste Griechenlands (990 Kilometer) kosten.

    Regierungsabkommen über den Gaspipeline-Bau sind bereits mit Bulgarien, Serbien, Ungarn und Griechenland geschlossen worden. Eine Einigung mit Österreich und Slowenien steht noch bevor. Die projektierte Leistung der Pipeline ist inzwischen von 31 auf 47 Milliarden Kubikmeter erhöht worden.

    Wenn die Projekte South Stream und Nord Stream bis 2015 abgeschlossen werden, wird die Gesamtleistung der Exportpipelines, einschließlich des ukrainischen Gastransportsystems, bis dahin 304 Milliarden Kubikmeter im Jahr ausmachen.

    Zugleich wird der russische Gasexport in Europa nicht mehr als 220 Milliarden Kubikmeter im Jahr betragen. Wie Maxim Schejin aus dem Investmentunternehmen Brokerkreditservice feststellt, wird South Stream das Gasexportvolumen übernehmen, das bisher über die Ukraine befördert wurde.

    Offen ist allerdings, wie die Gazprom-Einnahmen verteilt werden müssen, damit das Geld für alle Projekte ausreicht. Michail Kortschemkin, Direktor von East Europan Gas Analysis, meint, dass sich der Bau der South-Stream-Pipeline angesichts der Wirtschaftskrise als zu teuer erweisen könnte.

    "Angesichts der Rubel-Abwertung ist die Steuerbelastung von Gazprom für neue Anleihen zu groß geworden. Im vierten Quartal könnte Gazprom unrentabel werden. Sollte aber die Steuerlast des Monopolisten verringert werden, wird der Staatsetat nicht ausreichend aufgefüllt", meint er. "Kein Unternehmen der Welt baut nämlich ‚Pipelines auf Vorrat' bzw. ‚politische Pipelines', besonders wenn diese 25 Milliarden Dollar pro Stück kosten."

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