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Neuer Vorschlag für Weltwährung: Digitales Gold

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Virtuelles Gold als bargeldloses monetäres System ist nach Ansicht von Benn Steil, Direktor des Amtes für internationale Wirtschaft des US Council for Foreign Relations, die einzige echte Alternative zum US-Dollar als die neue globale Währung.

NEW YORK, 15. April (RIA Novosti). Virtuelles Gold als bargeldloses monetäres System ist nach Ansicht von Benn Steil, Direktor des Amtes für internationale Wirtschaft des US Council for Foreign Relations, die einzige echte Alternative zum US-Dollar als die neue globale Währung.

In einem RIA-Novosti-Interview erläuterte der Autor des soeben erschienen Buches "Geld, Märkte und Souveränität" die Idee des "Digital-Goldes".

"Die Regierungen, die Geld drucken und die Geldemission regulieren dürfen, manipulieren ständig damit", sagte der Experte. "Der Rückgang des Vertrauens zum US-Dollar, von den anderen Währungen ganz zu schweigen, lässt die Entstehung eines Gold-Äquivalents wahrscheinlich erscheinen."

Das infolge der Krise ins Wanken geratene Vertrauen der einfachen Konsumenten kann zu einer Treibkraft "der Flucht zum Gold" werden, so Steil. Eine Gold-Abwertung erwartet er dabei nicht: Der jährliche Zuwachs der globalen Goldreserven kann höchstens sechs Prozent betragen.

"Die Krise und die Instabilität im Finanzbereich peitschen das Misstrauen gegenüber den Währungen an. Die Tatsache, dass die Menschen zunehmend in Gold investieren, wirkt durchaus natürlich."

Die nationalen Goldreserven, einschließlich der internationalen Finanzinstitute, beliefen sich 2005 auf rund 31 000 Tonnen Gold.

Nach seiner Ansicht wird das "Digital-Gold" den Dollar gegen den Willen der Regierungen und in erster Linie der USA-Administration verdrängen, die eine Erweiterung des Digitalgold-Umsatzes mit rechtlichen Mitteln behindern würden. Die Flucht zum Gold werde aber von den Märkten und Privatinvestoren unterstützt.

Zugleich betonte der namhafte Experte, dass der US-Dollar vorerst keine Konkurrenten auf dem Devisenmarkt hat. Skeptisch bewertet er auch die Perspektive der Entstehung neuer Reservewährungen bzw. eine Ablösung des Dollars durch den Euro, weil es dem uneinheitlichen Europa kaum gelingen wird, eine abgestimmte Politik der Versorgung der Weltwirtschaft mit seiner Währung auf Kosten des Haushaltsdefizits zu betreiben, wie das die USA tun.

Die Krise habe auch die Verletzbarkeit des russischen Rubels deutlich gemacht und dessen Ambitionen, eine globale Währung zu werden, spürbar angeschlagen. "Der Rubel erwies sich als eine typische Rohstoffwährung, deren Kurs direkt von den Öl- und den Gaspreisen abhängt", stellte Steil fest.

Die neueste Flucht der von Panik erfassten Investoren in den Dollar bewertete er als symptomatisch, weil die US-Wirtschaft eine Zahlungsunfähigkeit völlig ausschließt. Der US-Dollar sei nur von politischen Faktoren anfechtbar, nämlich im Fall, wenn China die US-Bonds nicht mehr kauft und diese abzuwerfen beginnt, womit eine globale Tendenz eingeleitet werden könnte.

Nach seiner Einschätzung kauft China 30 Prozent aller US-Staatspapiere, was angesichts des Null-Gewinns nichts anderes als "Gratis-Kredite für die USA" ist. "China befindet sich in einer überaus komplizierten Lage: Sollte es mit dem Abwurf der US-Bonds beginnen, wird es ein Abrutschen des Dollars provozieren, womit es aber seine eigenen Aktiva entwerten würde", betonte Steil.

"Der einzig sichere Weg für China, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu schwächen, besteht darin, Goldreserven zu erhöhen. Es wird mich nicht überraschen, wenn China mit einer radikalen Steigerung seiner Goldreserven beginnen wird."

Die Tendenz zu einer Abschwächung der Abhängigkeit vom US-Dollar wird zwar weltweit zunehmen, die Umstellung auf das "Digitalgold" als die wichtigste Weltwährung bezeichnete er als ein mögliches Szenario, wenn das US-Finanzministerium nicht mehr verantwortungsvoll handeln und das Vertrauen gegenüber dem Dollar nicht wiederherstellen wird.

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