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    Russlands fatale Hoffnung auf Anstieg der Ölpreise - "Wedomosti"

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    MOSKAU, 01. Juni (RIA Novosti). Die Industrie stellt Rekorde während ihrer Talfahrt auf, schreibt Igor Nikolajew, Chefanalyst des Unternehmens FBK, in der Zeitung "Wedomosti" am Montag.

    Im April ging die Industrieproduktion in Russland um beinahe 17 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum von 2008 zurück. In Russland legt man jedoch den Schwerpunkt immer mehr darauf, dass die russischen Aktien weiter steigen.

    Die Ölpreise steigen fortwährend, was wieder einmal zu einer unangemessenen optimistischen Einschätzung der künftigen Wirtschaftsentwicklung führt.

    Die steigenden Ölpreise sind zumindest deshalb eine kleine Freude, weil die Haushaltseinnahmen zunehmen werden. Wenig erfreulich ist etwas anderes: Der Anstieg der Ölpreise weckt die Illusion, dass sie uns wieder aus der Patsche helfen würden. Das aber motiviert keineswegs zu einem aktiven und effizienten Anti-Krisen-Management.

    Gewiss, die steigenden Ölpreise bedeuten eine höhere Nachfrage, doch kommt diese Nachfrage nicht von der Realwirtschaft. Die Weltwirtschaft wird in diesem Jahr gemäß allen Prognosen um zwei bis drei Prozent sinken (nicht einmal China kann die Sache retten, obwohl es am Ende von 2009 ein Wachstum von sechs bis sieben Prozent aufweisen könnte).

    Folglich ist das Wachstum, das wir beobachten, spekulativ. Die übervollen Ölspeicher vor allem in Westeuropa bestätigen die Tatsache, dass die Nachfrage nach Erdöl und Erdölprodukten seitens der Wirtschaft nach wie vor niedrig ist. Die großen Vorräte bedeuten Investitionen in Öl zwecks seines Weiterverkaufs. Sie sind das Ergebnis der spekulativen Nachfrage.

    FBK hat die Spezifik der tiefsten und längsten Krisen der letzten vier Jahrzehnte analysiert: 1974 - 1975, 1979 - 1982, 1990 - 1991. Die Schlussfolgerung ist äußerst interessant und sehr unerfreulich: All diese Krisen gingen zu Beginn ihrer akuten Entwicklungsphase mit einem merklichen Ölpreisanstieg einher.

    Die Gründe des Anstiegs waren unterschiedlich, doch geht es um etwas anderes: Die Krise vertiefte sich, solange es bei der Dynamik der Ölpreise nicht zu einer Wende kam und solange diese Preise nicht zurückgingen. Erst dann setzte ein Wirtschaftswachstum ein.

    Die Krise wird früher oder später zu Ende gehen. Aber in Russland könnte sie sich hinziehen. Die Talfahrt könnte sich als ungerechtfertigt tief erweisen. Ein neuer Absturz der russischen Aktienmärkte und ein wesentlicher Rückgang der Weltölpreise sind mehr als nur wahrscheinlich.