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    Pipeline-Rennen: Russland sagt „Njet“ zu Nabucco - Presse

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    Russland hat gestern ein offizielles „Njet" zum Zusammenschluss der Pipelineprojekte Nabucco und South Stream gegeben, berichten russische Zeitungen am Dienstag.

    MOSKAU, 16. März (RIA Novosti). Russland hat gestern ein offizielles „Njet" zum Zusammenschluss der Pipelineprojekte Nabucco und South Stream gegeben, berichten russische Zeitungen am Dienstag.

    Diese Allianz hatten die Europäer vorgeschlagen. Sie würde erlauben, bis zu einem Drittel der Kosten der beiden Projekte einzusparen. Doch dann verliert Moskau die Kontrolle über einen Teil der Pipelineroute, was zu einem neuen „Gaskrieg" ausufern kann.

    Paolo Scaroni, Chef des italienischen Energieriesen Eni, sagte vergangene Woche, dass die beiden Pipelineprojekte vereinigt werden müssten, um die Kosten zu senken. Eni ist Gazproms Partner bei South Stream, ist aber gleichzeitig am Nabucco-Vorhaben beteiligt. Moskaus Antwort fiel eindeutig aus. „Wir diskutieren solche Sachen gar nicht", sagte Energieminister Sergej Schmatko am Montag.

    Die russische Seite begrüße die Diversifizierung der Gaslieferungen nach Europa. Doch South Stream sei „wettbewerbsfähiger", weil alle notwendigen Abkommen für deren Bau und die Rohstoffquelle für die Auslastung der Pipeline bereits vorhanden seien, erläuterte der russische Minister.

    Nabucco hat in der Tat noch keine Gasquelle für sein Pipeline-Projekt gefunden. Weder Iran noch Turkmenistan, die als wichtigste Rohstofflieferanten in Frage kommen, haben bislang Abkommen zu Nabucco geschlossen.

     „Enis Vorstoß wurzelt im Kampf der Unternehmen innerhalb des South-Stream-Projekts", sagte der russische Experte Dmitri Absalow. „Die Italiener wollen sowohl Zugang zu den Verdichterstationen als auch zur Gasverteilung bekommen." Doch nachdem die französische EDF ins Projekt eingestiegen ist, brachte das die Positionen von Eni ins Wanken. Die Italiener wollen den Anteil am Projekt mit den Franzosen nur paritätisch mit Gazprom teilen.

    Deswegen sei der Vorschlag, die Pipelineprojekte teilweise zu vereinigen, ein Versuch der Italiener, Druck auf Gazprom auszuüben, sagt der Experte.

    Der Zusammenschluss der Pipelinerouten bringt für Gazprom auf der Hand liegende Nachteile. Der russische Gaskonzern wird dabei die Kontrolle über den gemeinsamen Teil der Transportmagistrale verlieren. Das könnte Probleme mit den Tarifen und Quoten für den Gastransport bringen, wie das bereits mit der Ukraine geschah, warnt Analyst Dmitri Alexandrow von der Investitionsgesellschaft Univer.

    Sollten die Routen zumindest zu 50 Prozent zusammengelegt werden, beispielsweise im europäischen Teil der Türkei, würde das zweifellos wirtschaftlich sein. „Die parallele Errichtung von zwei Pipelinerouten würde die Arbeit vereinfachen und 25 bis 33 Prozent der Gesamtkosten der Projekte, nämlich rund vier bis fünf Milliarden Euro, einsparen", rechnet Alexandrow vor.

    Es gibt aber einen Grund, der Russlands Unwillen gegen die Allianz erklärt, und dieser Grund ist schwerwiegender als die potentiellen Gewinne. Das Projekt, das als erstes in Betrieb genommen wird, wird wahrscheinlich überleben. Zwei Pipelines mit ungefähr derselben Leistung, die Gas in dieselbe Richtung liefern, sind einfach überflüssig.

    Quellen: „Gazeta.Ru" vom 15.03.2010, „Kommersant" vom 16.03.2010

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