23:21 23 November 2017
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    Flüssiggas auf Vormarsch: Aus für South Stream und Nabucco? - Russlands Presse

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    EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat vor kurzem ganz Europa einen Schrecken eingejagt.

    MOSKAU, 26. März (RIA Novosti). EU-Energiekommissar Günther Oettinger hat vor kurzem ganz Europa einen Schrecken eingejagt, schreiben russische Medien am Freitag.

    In einem Interview erklärte er, dass die Inbetriebnahme der Nabucco-Pipeline bestenfalls 2018 möglich wäre. Das wäre vier Jahre später als geplant und drei Jahre nach dem voraussichtlichen Bau der russischen Konkurrenz-Pipeline South Stream.

    Branchenkenner führen diesen Sinneswandel auf den rasanten Anstieg der billigen Flüssiggaslieferungen zurück, der nicht nur die EU-geförderte Leitung, sondern auch die teuerere russische Pipeline nahezu überflüssig macht.

    Das Nabucco-Projekt sieht Gaslieferungen aus dem Kaspi-Raum nach Europa unter Umgehung Russlands vor. Die Verlegung der 3300 Kilometer langen Leitung wird schätzungsweise 7,9 Milliarden Euro kosten.

    Als Gaslieferanten sind derzeit Aserbaidschan, Turkmenistan und der Irak im Gespräch. Bislang liegen jedoch keine entsprechenden Abkommen vor. Die South-Stream-Leitung soll an der Ukraine vorbei russisches Gas (63 Milliarden Kubikmeter jährlich) durch das Schwarze Meer und Bulgarien nach Italien und Österreich befördern.

    Der Chefanalyst des Zentrums für politische Konjunktur, Dmitri Absalow, vermutete, dass Oettingers Aussage eine Reaktion auf Irans Entscheidung für den Pipelinebau in Richtung Pakistan (Iran - Pakistan - Indien) sein könnte. Dadurch könnte die EU Iran als Gasquelle für Nabucco verlieren.

    Der EU-Kommissar sorgte mit seiner Äußerung zum Thema Nabucco für großen Wirbel - er musste am selben Tag seine eigenen Worte mehrmals erläutern und teilweise dementieren. Experten glauben aber nicht daran, dass Oettingers Versprechen ein Zufall war. Angesichts der scharfen Konkurrenz auf dem Flüssiggasmarkt könnte die Verlegung von neuen kostspieligen Pipelines wirtschaftlich unsinnig werden.

    „Es ist unklar, wozu die EU ein neues Rohr bauen sollte, wenn sie sowieso ziemlich billiges Flüssiggas kaufen kann" wunderte sich der Analyst der Firma Univer, Dmitri Alexandrow. „Die Chancen auf die Zunahme des Flüssiggas-Angebots sind groß." Falls Katar, das seine Produktionskapazitäten bereits um 60 bzw. 70 Prozent ausgebaut hat, sein Flüssiggas auf den europäischen Markt bringt, dann werden beide Projekte möglicherweise aufs Eis gelegt", räumte Absalow ein. Dieser Vermutung stimmte auch Alexandrow zu: „Beim South Stream-Projekt wurden bereits größere Fortschritte gemacht. Aber wegen der gesunkenen Nachfrage in Europa und des Drucks seitens des Flüssig- und Schiefergases können beide Projekte eingefroren werden."

    Quellen: „Nesawissimaja Gaseta" und „Gaseta" vom 26.03.10.