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    Rentenreform in Russland: Tod vor der Rente - „Wedomosti"

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    Petersburger Wirtschaftsforum 2010 (34)
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    Russlands Finanzminister Alexej Kudrin verkündete beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg, dass das Rentenalter erhöht werden muss, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Montag.

    MOSKAU, 21. Juni (RIA Novosti). Russlands Finanzminister Alexej Kudrin verkündete beim Wirtschaftsforum in St. Petersburg, dass das Rentenalter erhöht werden muss, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Montag.

    Dennoch gab er keine genaueren Informationen an. Die Rentenkassen werden mit jedem Jahr leerer. Das Rentensystem könnte durch die Erhöhung des Rentenalters entlastet werden. „Es ist schwierig, dies zu besprechen. Es ist nicht so wichtig, wann wir uns dazu entschließen - in ein, zwei oder fünf Jahre", betonte Kudrin. Dieses Thema werde von der Regierung noch nicht erörtert, so der Finanzminister.

    Das Renteneintrittsalter ist in Russland niedriger als in den anderen Ländern: Die Frauen gehen mit 55 Jahren und die Männer mit 60 Jahren in Rente. Zudem gehen viele vorzeitig in die Rente (Bergwerksarbeiter, Forstarbeiter, Kosmonauten u.a.). Das durchschnittliche Rentenalter macht also 54 Jahre bei den Männern und 52 Jahre bei den Frauen aus. Derzeit werden in Russland die Renten aus den Gehältern der Arbeitenden finanziert. Deren Zahl ist fast zweimal so hoch wie die Zahl der Rentner: 70 Millionen gegenüber 36 Millionen. Dennoch ändert sich die Situation: 2031 kann die Zahl gleich groß werden.

    Laut Präsidentenberater Arkadi Dworkowitsch kann derzeit das Rentenalter nicht erhöht werden. „Es hat weder Gespräche noch Analysen gegeben", sagte Dworkowitsch.

    Einer anderen Quelle aus der Präsidialverwaltung zufolge ist die Zeit reif, um eine Diskussion über die Erhöhung des Rentenalters zu starten. „Die Menschen müssen sich an die neue Realität gewöhnen". Heute findet in der russischen Gesellschaftskammer eine Anhörung zum Thema „Wie hoch sollte das Rentenalter in Russland sein?".

    Es hat noch keine Regierungssitzungen zu diesem Thema gegeben. Laut Sofja Maljawina vom Ministerium für Gesundheit und Soziales hat die Regierung keine Entscheidung über die Erhöhung des Rentenalters getroffen. „Dennoch haben wir begonnen, die Rentner zur späteren Pensionierung anzuregen", sagte Maljawina. In diesem Jahr trat ein Gesetzespaket in Kraft, bei dem es sich um Anreize handelt, das Renteneintrittsalter zu erhöhen.

     Trotz der besseren Prognosen zur sozialwirtschaftlichen Entwicklung herrscht zunehmend Ebbe in den Rentenkassen: Im kommenden Jahr sind es 946,4 Milliarden Rubel (rund 25 Milliarden Euro), im Jahr darauf 1,07 Billionen Rubel (rund 28 Milliarden Euro). Die Gesellschaft werde der Erhöhung des Rentenalters erst dann zustimmen, wenn die Zahl der arbeitenden Rentner höher als die der nicht arbeitenden sei, so Dworkowitsch. Heute sind nur rund 33 Prozent der Rentner berufstätig. Eine Tendenz des Anstiegs ist nicht zu erkennen: In der Krise wurden vor allem arbeitende Rentner entlassen.

    Laut Experten und dem russischen Finanzministerium ist die Erhöhung des Rentenalters bestenfalls 2014/2015 zu erwarten. Obwohl diese Notwendigkeit bereits 2000 erkannt worden war, wurde dieser Aspekt erst 2010 in der Entwicklungsstrategie berücksichtigt. Seit 1992 hat es fast keine Reformen beim Rentenalter gegeben. Die Beamten hatten gezögert, weil sie keinen sozialen Unmut riskieren wollten.

     

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