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    Dürre in Russland: Versicherer sollen für Ernteausfälle aufkommen - „Kommersant"

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    Gestern erörterte das Regierungspräsidium, wie die russische Landwirtschaft vor der Dürre gerettet werden kann, berichtet die Zeitung „Kommersant" am Dienstag.

    MOSKAU, 13. Juli (RIA Novosti). Gestern erörterte das Regierungspräsidium, wie die russische Landwirtschaft vor der Dürre gerettet werden kann, berichtet die Zeitung „Kommersant" am Dienstag.

    Die Regierung will nicht allein für die Dürreschäden aufkommen. Auch die Versicherungen sollen den Bauern unter die Arme greifen. Das Landwirtschaftsministerium will demnächst ein neues Gesetz in der Staatsduma (Parlamentsunterhaus) einbringen, mit dem Versicherer dazu verpflichtet werden sollen. Die Ölhersteller versorgen die Landwirtschaftsbetriebe bereits mit einem zehnprozentigen Rabatt für Kraftstoffe.

    Bei der Diskussion über den Kampf gegen die Dürre, die schon zum zweiten Mal hintereinander die Ernte in Russland bedroht, gab Premier Wladimir Putin zu, dass die Regierung den Agrarsektor nicht mehr mit Haushaltsgeldern stützen könne. Angesichts des Haushaltsdefizits habe die Regierung kein Geld für wetterbedingte Ausnahmesituationen.

    Dafür seien die Versicherungen verantwortlich. Wie Putin erklärte, könnten betroffene Agrarunternehmen subventioniert werden, doch würden sie vor allem Regionen zukommen, in denen es bereits viele Versicherungen gebe. Er beauftragte das Finanzministerium, die Situation in den Versicherungsgesellschaften zu erörtern, und betonte, dass jegliche Versuche, sich an der Dürre zu bereichern, unterbunden werden müssten.

    Wie Landwirtschaftsministerin Jelena Skrynnik sagte, passen ihre Behörde mit Rosstrachnadsor (Aufsichtsbehörde für den Versicherungsmarkt) und dem Innenministerium darauf auf, dass keine schwarzen Schafe unter den staatlich gestützten Versicherungen seien. Ihr zufolge würden gegenwärtig 64 Versicherungsunternehmen im Landwirtschaftsegment tätig sein. In diesem Jahr seien bis zu 20 Prozent aller Saatflächen versichert worden.

    Entsprechend den geplanten Veränderungen werde sich die die staatliche Stützung der Agrarversicherung auf einige Grundnahrungsmittel und einige katastrophale Risiken beziehen. In diesem Bereich würden einheitliche Versicherungsrichtlinien (dazu soll ein Verband der Versicherer geschaffen werden) und einheitliche Standards der Schadenvergütung gelten, was niedrigere Versicherungstarife ermöglichen werde. In Betracht komme auch die Versicherung des entgangenen Gewinns, aber auf kommerzieller Grundlage. Die Marktteilnehmer unterstützen die Vorschläge.

    In der gestrigen Sitzung des Regierungspräsidiums wurde auch eine weitere Maßnahme zur Stützung des Landwirtschaft genannt. Anfang Juli werde der Branche ein saisonbedingter Rabatt von zehn Prozent für Brenn- und Schmierstoffe gewährt werden. Das gab gestern der für den Brennstoff-Energie-Komplex zuständige Vizepremier Igor Setschin bekannt. Er schätzt die Hilfe der Ölindustrie seit Jahresbeginn auf 3,3 Milliarden Rubel (1 Euro = ca. 38,9 Rubel). Übrigens wurde in der Präsidiumssitzung nicht erwähnt, dass auch diese Maßnahme dabei hilft, die Staatskasse nicht weiter zu belasten. Im Grunde wurde nur die Frist des bestehenden Rabatts verlängert, der dieses Frühjahr zur Unterstützung der Saat eingeführt wurde.

    Die Landwirtschaftsbetriebe rechnen damit, dass der Schaden durch die verdörrte Ernte bis zu 30 Milliarden Rubel ausmachen könnte.