14:36 19 Januar 2018
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    Korruption und Qualitätsverlust belasten russische Unis - „Wedomosti“

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    Nur eine gebildete und aufgeklärte Gesellschaft kann die Früchte eines demokratischen politischen Systems vollwertig nutzen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Nur eine gebildete und aufgeklärte Gesellschaft kann die Früchte eines demokratischen politischen Systems vollwertig nutzen, schreibt die Zeitung „Wedomosti“ am Dienstag.

    Dies sagte Konstantin Simonow, Generaldirektor des Fonds für Nationale Energiesicherheit, vor dem Tag des Wissens (1. September).

    Der Tag des Wissens sei ein sehr wichtiger Feiertag für die russische Gesellschaft, betonte Simonow. Dabei habe man eine nicht einfache Aufgabe. Einerseits müsse man der breiten Bevölkerungsschicht Bildung schmackhaft machen. Andererseits müsse zumindest bei der Hochschulausbildung weiter Wettbewerb herrschen. Sonst verliert die Bildung ihre Funktion für den „sozialen Aufstieg“.

    Die Bildung in der russischen Gesellschaft nimmt zu. Nach Angaben der Volkszählung von 1989 hatten nur 64 Menschen von 1000 im Alter zwischen 20 und 24 Jahren eine Hochschulausbildung. 2002 handelte es sich um 118 Menschen. Derzeit liegen die Zahlen noch höher. Von 1993 bis 2008 ist die Zahl der immatrikulierten Studenten um das 2,8-fache angestiegen. Die gesamte Studentenzahl stieg um etwa fünf Millionen Menschen an. Nur wegen des ständigen Fachkräftemangel am Arbeitsmarkt werde ein Auge bei den Problemen der Hochschulausbildung zugedrückt.

    Nach Schätzungen des russischen Bildungsministeriums ist die Zahl der Abiturienten in diesem Jahr um rund zehn Prozent zurückgegangen. Wie der russische Bildungsminister Andrej Fursenko betonte, hängt dies mit dem demographischen Rückgang zusammen, der bis 2020 dauern wird. Die Zahl der neuen Hochschulen muss reduziert werden, um die Qualität der Ausbildung zu erhöhen. Dennoch gibt es eine Gefahr. Im Zusammenhang mit der Idee, dass die Haushaltsausschüttungen von der Studentenzahl abhängen, werden die Hochschulen mit der Suche nach Studenten beginnen. Das heißt, dass so gut wie alle Schüler an die Universität gehen werden. Dabei bekommen sie mehr Chancen, an den Elite-Unis zu studieren. Bei diesem Vorgehen kann man kaum darauf hoffen, dass die Schüler Appetit auf Wissen bekommen.

    Nicht nur das Diplom wird weniger wert sein. Die Zahl der Promovierten stieg in den vergangenen zwanzig Jahren um zehn bis 15 Prozent an, vor allem in humanitären Bereichen. Die Situation hat sich in den vergangenen Jahren zwar stabilisiert, ein Doktortitel bringt jedoch nicht mehr so viel Anerkennung wie früher.

    Die Regierung dient als Beispiel. Die Vorliebe der russischen Elite für akademische Titel gleicht einer Epidemie. Die Wissenschaftler haben sich selbst teilweise diskreditiert, weil sie ein Dissertationsfließband geschaffen haben, um den Geldmangel zu überwinden. Die Unternehmer und Vertreter der Behörden sind der Ansicht, dass sie tatsächlich Wissenschaftler sind. Die Tatsache, dass die Dissertationen von anderen geschrieben wurden, hängt anscheinend nur mit dem Zeitmangel zusammen.

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