00:37 16 Dezember 2017
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    Zollunion kann Schmuggelstrom aus China provozieren – „Wedomosti"

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    Zollunion von Russland, Weißrussland und Kasachstan (143)
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    Etwa sechs Prozent der Waren, die in Russland im Einzelhandel umgesetzt werden, sind illegal eingeführt worden, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Freitag.

    Etwa sechs Prozent der Waren, die in Russland im Einzelhandel umgesetzt werden, sind illegal eingeführt worden, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Freitag.

    Experten der Russischen Wirtschaftsschule haben auf Antrag der Gemeinschaft Rusbrand den Umfang von Schmuggelwaren auf dem russischen Markt und die Gefahr für legale Produzenten bewertet, die mit der Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan verbunden ist. An der Studie nahmen Vertreter von an Rusbrand beteiligten Unternehmen, von Rechtsschutzorganen, staatlichen Strukturen sowie Juristen teil, die sich auf den Schutz von Urheberrechten spezialisieren.

    Der Umsatz von gefälschten Produkten bekannter Marken beläuft sich laut den Studienergebnissen auf 910 Milliarden Rubel (1 Euro = 41,5 Rubel), was 24 Prozent des gesamten Umsatzes von neun Warengruppen ausmacht: Alkohol, Kleidung bzw. Schuhe, Kosmetik usw. Am meisten werden Alkoholgetränke, Kleidung und Schuhe gefälscht: Mehr als 30 Prozent dieser Erzeugnisse werden in Russland illegal hergestellt.

    Oft werden auch bekannte, aber günstige Marken gefälscht: Tee, Kaffee, Reinigungsmittel, sagte ein Experte, der sich an der Umfrage beteiligte. Produkte der Premium-Gruppe werden vor allem imitiert: in diesem Fall enthält die Fälschung nur einzelne Elemente einer Nobel-Marke. Billige Produkte werden dagegen „vollständig“ gefälscht, ergänzte der Sprecher.

    Die Teilnehmer der Umfrage waren besorgt darüber, dass der Anteil von Schmuggelwaren auf dem Markt bald zulegen könnte, und zwar wegen der Bildung der Zollunion mit Weißrussland und Kasachstan. Besonders beunruhigend finden die Branchenkenner die für den 1. Juli 2011 geplante Aufhebung der Grenzkontrolle an der russisch-kasachischen Grenze.

    Dann könnte der russische Markt von billigen chinesischen Schmuggelwaren überflutet werden, die nach Kasachstan über die schlecht bewachte kasachisch-kirgisische Grenze eingeführt werden. Derzeit bleiben die illegalen Importgüter hauptsächlich in Kasachstan.

    „Dann wird sich für die nach Kasachstan eingeführten Schmuggelwaren auch der Weg nach Russland eröffnen“, warnt der Sicherheitschef der Russland- und GUS-Abteilung der Unilever Gruppe, Arai Balajan. „Wir verfolgen die Situation an der chinesisch-kasachischen Grenze und bewerten die möglichen Risiken“, sagte Julia Majorowa von Procter & Gamble.

    Der Exekutivdirektor von Rusbrand, Alexej Popowitschew, konnte den möglichen Zuwachs des illegalen Imports auf dem russischen Markt nicht genau voraussagen, weil eine Prognose für jede einzelne Warengruppe erforderlich sei. „Da sich aber die Verbraucher für maximal billige Produkte interessieren, wird die Nachfrage nach Schmuggelwaren höchstwahrscheinlich groß sein, was die Interessen von Besitzern der Urheberrechte wirklich gefährden könnte“, räumte er ein.

    Ein großes Problem bestehe darin, dass Kasachstan seine Außengrenzen schlecht bewacht, sagte seinerseits ein Beamter des Föderalen Zolldienstes. „Kasachische Zollbeamte fertigen die meisten Güter als Transit aus und können keine richtige Zollkontrolle organisieren. Dann besteht tatsächlich das Risiko, dass aus den Ländern, die Kasachstans Handelspartner sind, vor allem aus China und Indien, viel mehr Schmuggelwaren als bisher eingeführt werden.“

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