20:37 17 Dezember 2017
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    Russlands Atomenergie-Maschinenbau lebt immer noch – „Expert“

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    In der vergangenen Woche haben die Ischora Werke in Kolpino (Gebiet Leningrad) den ersten Rumpf des Meilers WWER-1200 gebaut, schreibt die Zeitschrift „Expert“ im jüngsten Heft.

    In der vergangenen Woche haben die Ischora Werke in Kolpino (Gebiet Leningrad) den ersten Rumpf des Meilers WWER-1200 gebaut, schreibt die Zeitschrift „Expert“ im jüngsten Heft.

    Damit kann der Reaktor nach einer unwesentlichen Vervollkommnung an den Auftraggeber ausgeliefert werden.

    Eigentlich ist das eine Nachricht, die zu Sowjetzeiten in allen großen Zeitungen für Schlagzeilen gesorgt hätte. Äußerst wichtig ist sie auch heutzutage. Es geht nicht nur darum, dass das der erste in Russland gebaute starke Meiler (1150 Megawatt) dieses Typs ist – das ist der erste Meilerrumpf, der für den russischen Markt seit den späten 1980ern hergestellt wurde. Es ist nun einmal so, dass in Russland nur 15 von insgesamt 60 Wasser-Wasser-Meilern funktionieren, die in den Ischora Werken gebaut wurden. Mehrere Reaktoren wurden bereits außer Betrieb gesetzt. Viele andere funktionieren immer noch, allerdings im Ausland.

    Die Ischora Werke begehen bald auch eine Art Jubiläum: Vor 25 Jahren wurde zum letzten Mal ein Meiler des Typs WWER-1000 an ein russisches Atomkraftwerk geliefert. Das war der dritte Meiler des AKWs Balakowo (Gebiet Saratow), der Ende 1988 in Betrieb genommen wurde. Balakowo empfing auch vor etwa 20 Jahren den letzten in der Sowjetunion für Russland gebauten Reaktor, der im Werk Atommasch in Wolgodonsk (Gebiet Rostow am Don) hergestellt wurde.

    Ende der 80er und Anfang der 90er wurden mehrere Meiler für die Ukraine gebaut. Nach der Tschernobyl-Katastrophe verzichtete man aber verstärkt auf Atomkraftwerke, weshalb die Lieferung von Reaktoren für eine lange Zeit eingestellt wurde. Das Atommasch-Werk, auf das die ganze Sowjetunion stolz war, wurde privatisiert und de facto ausgeraubt. Den Ischora Werken hätte das gleiche passieren können, aber Iran und später auch China und Indien mussten aus politischen Gründen fünf neue Meiler bestellen. Dank diesen Aufträgen wurde die russische Produktion von Atomenergiemaschinen vor der totalen Vernichtung gerettet.

    Im Oktober 2006 wurde das Föderale Zielprogramm „Entwicklung des Atomenergie-Industriekomplexes Russlands für die Jahre 2007-2010 und die Zeitspanne bis 2015“ verabschiedet. Laut diesem Programm sollte die Renaissance der Branche mit der Produktion von zehn Reaktoren binnen neun Jahren beginnen.

    Und nun ist endlich ein völlig neuer Meiler gebaut worden. Der Vertrag über seine Produktion wurde 2007 geschlossen. Das Projekt WWER-1200 ist eine Weiterentwicklung der sowjetischen Linie von Wasser-Wasser-Meilern. Das Wort „Weiterentwicklung“ verdient in diesem Fall wirklich Respekt, denn seit den frühen 1960ern (dem Bau der ersten WWER-Anlagen) ist ihre Stärke von 210 auf 1150 Megawatt gewachsen, wobei der Durchmesser des Rumpfes nahezu gleich geblieben ist. Außerdem wurde die geplante Betriebszeit der Meiler von 50 auf 60 Jahre verlängert. Zu diesem Zweck mussten neue strahlungsresistente Stoffe entwickelt werden.

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