22:04 16 Januar 2018
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    Preisdruck in Europa: Gazprom knickt ein – Russen als Leidtragende - "Nesawissimaja Gaseta"

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    Gazprom hat sich dem Konkurrenzdruck in Europa gebeugt und Zugeständnisse beim Gaspreis gemacht, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Gazprom hat sich dem Konkurrenzdruck in Europa gebeugt und Zugeständnisse beim Gaspreis gemacht, schreibt die Zeitung "Nesawissimaja Gaseta" am Donnerstag.

    Kürzlich wurde Lettland eine 15-prozentige Ermäßigung zugestanden. Andere Länder sollen folgen. Experten sind der Ansicht, dass der russische Gaskonzern weitere Zugeständnisse an die Europäer akzeptieren muss, was den russischen Verbraucher jedoch teuer zu stehen kommt.

    Erst im August hatte Gazproms stellvertretender Aufsichtsratschef Valeri Golubew fest behauptet, der Konzern würde auf keine Preissenkung für Lettland eingehen. Anfang Dezember gab der lettische Wirtschaftsminister Artis Kampars aber zu verstehen, dass sich die Russen verhandlungsbereit gezeigt hätten. Wenige Wochen später kam es zu einer Einigung.

    Mit welchen Argumten Riga Gazprom überzeugen konnte, bleibt ein Rätsel, genauso wie der neue Preis. Ein Sprecher des russischen Gasriesen sagte, konkrete Zahlen seien ein Geschäftsgeheimnis, wobei der Preis nicht für die komplette Vertragslaufzeit, sondern nur für einen Zeitraum vereinbart werde und korrigiert werden könne. Branchenkenner gehen davon aus, dass Gazprom im Sommer seine Prognose des Durchschnittspreises für den europäischen Markt von 326 auf 308 Dollar je 1000 Kubikmeter korrigiert hatte. Im vergangenen Jahr hatte der Durchschnittspreis bei 296 Dollar gelegen.

    Auch viele andere europäische Länder sind an einer Korrektur der langfristigen Verträge mit Gazprom interessiert. Im Mai hatte Frankreich eine Preissenkung gefordert. Litauen verlangte von Regierungschef Wladimir Putin eine „Erneuerung“ der Preispolitik des russischen Gaskonzerns. Gazprom blieb deshalb nichts anderes übrig, als die Preise runterzufahren. 

    Dies geschieht jedoch zum Leidwesen der russischen Verbraucher. In den kommenden drei Jahren sollen die Gastarife um etwa 15 Prozent jährlich zulegen.

    Der Analyst der Fachzeitschrift „Raswedka i dobytscha“ (Erschließung und Förderung), Michail Krutichin, verwies anegsichts der Rabatte auf die noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen zwischen Gazprom und seinem deutschen Partner E.ON, der unlängst seinen Gazprom-Anteil veräußert hatte. „Ich kenne kein anderes Land, das jetzt Gazprom nicht unter Druck setzen würde, um eine Preissenkung zu erreichen“, so der Experte. „Dieser Druck wird zunehmen. Jedes Zugeständnis Gazproms werden die russischen Bürger bezahlen müssen.“

    Zu den „Argumenten“ Lettlands sagte Krutichin, es könnte sich dabei um den so genannten „dritten Energie-Pakt“ handeln, der verschiedene Besitzer und Betreiber von Pipelines vorsieht: „Die Letten haben wahrscheinlich Moskau gewarnt, dass sie Maßnahmen zur Umsetzung dieses Pakts ergreifen könnten, was unvermeidlich eine Änderung der Latvijas-Gaze-Struktur und die Verdrängung Gazproms aus den lettischen Verteilungsnetzen zur Folge hätte.“

    Der Experte des Investmenthauses Univer, Dmitri Alexandrow, vermutete ebenfalls, dass Gazprom auch künftig die Preise für europäische Verbraucher senken müsse, was sich für die Russen als neue Preiserhöhung entpuppen würde.