21:12 18 Dezember 2017
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    Ölpreise: Russland als Nutznießer der Libyen-Krise – „Wedomosti"

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    Protestaktionen gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi in Libyen (403)
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    Russland könnte von den Spannungen im Nahen Osten profitieren, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Dienstag.

    Russland könnte von den Spannungen im Nahen Osten profitieren, schreibt die Zeitung „Wedomosti" am Dienstag.

    Die Unruhen in der arabischen Welt lassen die Ölpreise nach oben schnellen, weshalb Russland davon profitieren könne, so Branchenkenner.

    Am Sonntag hatte ein libyscher Scheich gedroht, Ölpipelines zu sprengen, wenn die Behörden die Massenproteste weiterhin niederschlagen. Internationale Energiekonzerne wie British Petroleum, Royal Dutch Shell, OMV, Statoil, Eni und Gazprom, haben bereits die Evakuierung ihrer Mitarbeiter aus Libyen angekündigt. Die Ölförderung wurde allerdings noch nicht gestoppt. 

    Die zunehmenden Spannungen in Libyen führten zu einem Anstieg der Ölpreise: Die Brent-Öl-Futures stiegen allein am Montag um 2,5 Prozent auf 104,6 Dollar je Barrel, was einen Rekord seit September 2008 darstellt. Sollten die Spannungen zunehmen, könnten die Ölpreise um weitere 20 bzw. 30 Dollar zulegen, prognostizierte Bill Belchere (Mirae Asset Securities) in einem Interview für Bloomberg. Geopolitische Risiken fördern den Preisanstieg, so Jaroslaw Lissowolik (Deutsche Bank).

    Die Situation auf dem Ölmarkt sei zwar beunruhigend, aber das Gleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot weiter stabil, sagte der Analyst des Investmenthauses Troika Dialog, Valeri Nesterow. Den jüngsten Preisanstieg führte er auf Spekulationsgeschäfte zurück. Sollte aber Libyen seine Förderung drosseln, könnten sich diese Befürchtungen bewahrheiten, räumte der Experte zu.

    Falls die Öllieferungen für mehr als zwei Monate unterbrochen werden, könnten die Preise zeitweilig um 20 bis 40 Dollar je Barrel zulegen. Der russische Finanzminister Alexej Kudrin äußerte, dass die Ölpreise in den kommenden Jahren auf 70 bis 90 Dollar je Barrel sinken werden.

    Libyen hat mit 44,3 Milliarden Barrel Öl (Angaben des US-Energieministeriums) die größten Vorräte in ganz Afrika. Laut der Internationalen Energieagentur fördert Libyen jeden Tag 1,6 Millionen Barrel, von denen 63 Prozent nach Europa exportiert werden.

    Die Massenunruhen im Nahen Osten seien für das Image der Region schädlich, die bisher als zuverlässiger Rohstofflieferant galt, stellte Lissowolik fest. Auf den Nahen Osten entfalle immerhin ein Drittel des weltweiten Ölexports. Früher habe die OPEC geringer werdende Exportlieferungen ausgeglichen. Ob sie aber auch diesmal effizient reagieren kann, sei unklar, betonte Nesterow.

    Die Instabilität in der Region könnte den Schwerpunkt der weltweiten Öltransporte verschieben, so Lissowolik weiter. Die Ölabnehmer können sich relativ leicht auf sicherere Länder umstellen. Ein solcher Wandel wäre merkwürdigerweise für Russland von Nutzen, so Experte Nesterow. „Um geopolitische Risiken zu vermeiden und die eigene Energiesicherheit zu festigen, könnten die Importeure mehr Öl in Russland kaufen.“

    Derzeit sind nach Angaben des US-Energieministeriums Italien (32 Prozent), Deutschland (14 Prozent), Frankreich und China (jeweils zehn Prozent) die größten Ölimporteure Libyens.

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