19:11 08 Dezember 2016
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    Finanzkrise: Weißrussland vor Bittgang nach Moskau - "Wedomosti"

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    Wirtschaftskrise in Weißrussland (101)
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    Der weißrussische Rubel befindet sich im freien Fall, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Der weißrussische Rubel befindet sich im freien Fall, schreibt die Zeitung "Wedomosti" am Donnerstag.

    Im Land mangelt es an ausländischen Währungen, die Nationalbank rechnet mit Krediten aus dem Ausland, vor allem aus Russland. Experten sind sich aber einig, dass es für Weißrussland nur zwei Auswege gibt: entweder den Verkauf der Staatsbeteiligungen oder die Senkung des Wechselkurses der Nationalwährung.

    Der für Devisen Zuständige der weißrussischen Nationalbank, Anatoli Moros, musste einräumen, dass die Bevölkerung massiv ausländische Währungen gekauft hatte. Allein im März deckten sich die Weißrussen mit mehr als 700 Millionen Dollar ein. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2010 waren es insgesamt 1,5 Milliarden Dollar.

    Ende vergangener Woche lag der amtliche Wechselkurs des Rubels bei 3044 Rubel für einen Dollar. Moros hält nach seinen Worten den Kurs von 3800 Rubel pro Dollar für gerechtfertigt. Nach Einschätzung der Bank Renaissance Capital müsste er zwischen 4000 und 4300 Rubel pro Dollar liegen. Der weißrussische Interbankenmarkt liegt lahm: Es wurde nur ein Angebot für 4500 Rubel pro Dollar registriert. Im Land gebe es keine ausländischen Devisen, der Markt sei in Panik geraten, stellte der Präsident des weißrussischen Forschungsinstituts Mises-Zentrum, Jaroslaw Romantschuk, fest. Alle warten auf den Absturz des Rubel-Wechselkurses, und niemand wagt, ausländische Währungen zu verkaufen.

    Anastasja Golowatsch (Renaissance Capital) verwies auf die enorm geringen Reserven der Nationalbank, die am 1. März bei lediglich vier Milliarden Dollar lagen. Bargeld werde es im Mai in den Wechselstuben geben, beteuerte aber Moros.

    Im März hatte Minsk bei Russland und der Eurasischen Wirtschaftsgemeinschaft (EAWG) einen Hilfskredit in Höhe von drei Milliarden Dollar beantragt. Russlands Finanzminister Alexej Kudrin teilte Ende vergangener Woche mit, dass die Verhandlungen binnen eines Monats abgeschlossen werden könnten. Weißrussland müsse seine Zahlungsfähigkeit durch ein Wirtschaftsprogramm beweisen, das aber erst entwickelt werde, sagte Kudrins Vize Sergej Stortschak.

    Aber selbst falls Weißrussland ausländische Kredite bekommen würde, könnte es seine Probleme nicht lösen, warnte Alexej Moissejew, Investmentexperte der Bank VTB. Es gebe nur zwei Möglichkeiten: Entweder zu einer Schocktherapie greifen und den Rubel um 75 bzw. 80 Prozent abwerten oder das Staatseigentum massenweise zu privatisieren. Die Entwertung des Rubels wäre aber tödlich für die heimische Industrie, weil sie nur dank den importierten Zulieferteilen am Laufen gehalten werden könne. „Es gäbe noch einen Ausweg: sich mit Russland über Zuschüsse von drei Milliarden Dollar zu einigen, die Weißrussland alle drei Monate bekommen würde.“

    Zu diesem Zweck müsste Minsk jedoch eine umfassende Privatisierung akzeptieren, unterstrich Romantschuk. Laut dem Internationalen Währungsfonds entfallen auf den Privatsektor etwa 30 Prozent des weißrussischen Bruttoinlandsprodukts.

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