02:33 23 Oktober 2017
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    Teure Überraschung: Streit um Kosten für Shtokman-Projekt - "Moskowskije Nowosti"

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    Der russische Energiekonzern Gazprom liegt wegen der immensen Kosten bei der Erschließung des Shtokman-Vorkommens mit seinen europäischen Partnern im Clinch, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Freitag.

    Der russische Energiekonzern Gazprom liegt wegen der immensen Kosten bei der Erschließung des Shtokman-Vorkommens mit seinen europäischen Partnern im Clinch, schreibt die Zeitung "Moskowskije Nowosti" am Freitag.

    In Paris findet heute ein Treffen des Vorstandschefs von Gazprom, Total (Frankreich) und Statoil (Norwegen) statt, bei dem sie nach Auswegen aus der festgefahrenen Situation suchen werden.

    Vor zwei Wochen hatte der Aufsichtsrat der gemeinsamen Verwaltungsgesellschaft Shtokman Development AG (SD AG) bei einem Treffen  in Zürich keine Einigung erzielen können. Uneinigkeit herrscht vor allem in Bezug auf den Umfang der Kapitalausgaben, was sich auf die Attraktivität der ersten Erschließungsphase des Shtokman-Vorkommens für Investoren auswirkt. Das Gemeinschaftsunternehmen hat bereits alle Prozeduren, um mit den Ausschreibungen zu beginnen, abgeschlossen und einen Kostenvoranschlag vorgelegt. Das Ausmaß der Kosten wird geheim gehalten, doch scheint die Summe die Teilnehmer des Projekts überrascht zu haben.

    Deshalb wurden die vom Projektbetreiber geforderten 500 Millionen Dollar immer nicht noch gebilligt. Dieses Geld ist für die erste  Erschließungsphase eingeplant, nachdem die Unternehmen den Zuschlag als Auftragnehmer erhalten haben und ihre Kapazitäten reservieren müssen, bis die endgültige Investitionsentscheidung getroffen worden ist. Im April wurde diese Frage auf den Dezember verschoben. Der Vorschuss wird jedoch dringend benötigt, weil andernfalls die geplanten Fristen der Inbetriebnahme (Gasförderung ab 2016 bzw. Flüssiggaslieferungen ab 2017) gefährdet sind.

    Der Streit um das Geld bezieht sich vor allem auf die Art der Kapitalverzinsung, Steuerprivilegien und die so genannte „russische Beteiligung“ an der Verwendung der Investitionen. Ein Gazprom-Sprecher vermutete, dass die ausländischen Partner absichtlich die Ausgaben anheben und sie nicht optimieren wollen. Total, Statoil und der Projektbetreiber finden es sinnlos, die Auftragnehmer unter Druck zu setzen, weil es sich um ein einzigartiges Vorhaben handelt.

    Die beteiligten russischen Unternehmen treiben die Ausgaben des Förderprojekts in die Höhe. So sind selbst die günstigsten Angebote der russischen Pipelinehersteller um 40 Prozent teurer als die der ausländischen Firmen. Die Kosten könnten verringert werden, indem weniger Aufträge an russische Firmen vergeben werden. Der Kreml lehnt dies aus strategischen und politischen Gründen jedoch ab. Deshalb hat ein Konsortium unter Beteiligung der Vereinigten Schiffbaukorporation (OSK) die besten Chancen, die Ausschreibung zu gewinnen. Die wichtigsten Arbeiten werden dabei Aker (Norwegen) und Daewoo (Südkorea) übernehmen.

    Um die Ausgaben zu drücken, bleibt eigentlich nur ein Weg: Steuer- und sonstige Privilegien. Allein die Abschaffung der Bodenschatzsteuer würde die Last auf die beteiligten Konzerne um zehn bzw. zwölf Milliarden Dollar senken. Wenn die importierten Bohranlagen nicht von den Importzöllen befreit werden, dann ist die Erschließung des Shtokman-Feldes sogar unmöglich. Aber weder die Regierung noch Gazprom brachten bisher eine Entscheidung in diesem Fall voran.

    Nicht zu übersehen ist aber, dass das Konkurrenzprojekt Jamal Flüssiggas (Firma Novatek und der Unternehmer Gennadi Timtschenko; Total könnte sich anschließen) ähnliche Privilegien („Steuerferien“, Befreiung von der Bodenschatzsteuer für zwölf Jahre usw.) noch vor einer Investitionsentscheidung bekommen hatte.