01:46 19 August 2017
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    „Iswestija“: Schweiz stöhnt unter Ansturm von Franken-Investoren – Russen machen mit

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    Die Zentralbank der Schweiz hat am Mittwoch an die globale Finanzöffentlichkeit appelliert, den Schweizer Franken nicht als eine stille Zufluchtsbucht zu betrachten, schreibt die „Iswestija“ am Donnerstag. Seit Jahresanfang hat sich die Schweizer Währung um 30 Prozent gefestigt, weil in den Franken wie wild investiert wird.

    Die Zentralbank der Schweiz hat am Mittwoch an die globale Finanzöffentlichkeit appelliert, den Schweizer Franken nicht als eine stille Zufluchtsbucht zu betrachten, schreibt die „Iswestija“ am Donnerstag. Seit Jahresanfang hat sich die Schweizer Währung um 30 Prozent gefestigt, weil in den Franken wie wild investiert wird.

    Dies untergrabe die Wirtschaftsentwicklung und bedrohe die Preisstabilität, so das Schweizer Geldinstitut.

    „Eine nicht unentscheidende Rolle haben die russischen Bürger dabei gespielt“, so die „Iswestija“. „Nach Angaben der Zentralbank Russlands hat sich der Umfang des Geldtransfers in die Schweiz innerhalb eines Jahres auf das 3,4-fache vergrößert.“

    „Im ersten Vierteljahr 2011 flüchteten 1,3 Milliarden Dollar aus Russland in Richtung Zürich und Genf – das ist fast genauso viel wie in den ersten Quartalen der drei zurückliegenden Jahre zusammen. Kein anderes Land Europa ist für die Russen in dieser Hinsicht so attraktiv. Die Haltung zu dem anderen Favoriten, Großbritannien, ist ausgewogen; die Beträge, die dorthin transferiert werden, sind stets ungefähr die gleichen. Die Gefühle für die Schweiz hingegen flackern auf, dann beruhigen sie sich, nur um dann wieder mit ungeahnter Kraft aufzuflackern – insbesondere bei finanziellen Erschütterungen.“

    Im ersten Quartal 2008 transferierten die russischen Bürger 837 Millionen Dollar in dieses stabilste Land Europas, führt die „Iswestija“ weiter aus. „Die Krise, die sich auf dem Territorium unseres Landes offiziell noch nicht bemerkbar gemacht hat, tobte zu dem Zeitpunkt bereits über die Vereinigten Staaten. US-Banken stürzten eine nach der anderen, der Dollar verlor an seinem Wert, und die Investoren suchten nach einer Zuflucht vor der heranrückenden Katastrophe. Es war nur logisch, in die unerschütterlichen Schweizer Franken zu investieren und das gefährlich gewordene Bargeld in Dollar und Rubel in den entsprechenden Staat zu überweisen. Ein Jahr später verringerte sich der Geldstrom um 40 Prozent und zwei Jahre später um weitere 24 Prozent. 2011 nahm aber das Interesse für die Schweiz wieder schlagartig zu.“

    „Es gibt drei Gründe, die eine Kapitalflucht provozieren können“, so Wassili Solodkow, Direktor des Bank-Instituts der Wirtschaftshochschule. „Der erste ist die politische Unbestimmtheit. Das zweite ist ein günstiges Investitionsklima in einem bestimmten Land. Der dritte ist die Gefahr einer neuen Rezession und eines Preisverfalls für Energieträger sowie der entsprechenden Abwertung der nationalen Währung. All die drei Faktoren sind seit 2011 stärker geworden.“

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