22:12 20 November 2017
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    Russlands Banken horten Liquiditäten in Erwartung neuer Krise - Analyse

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    Das russische Banksystem rüstet sich nach Ansicht von Experten des Moskauer Wirtschaftsforschungszentrums RIA Analitika für eine neue Finanzkrise.

     Das russische Banksystem rüstet sich nach Ansicht von Experten des Moskauer Wirtschaftsforschungszentrums RIA Analitika für eine neue Finanzkrise.

    Im diesem Herbst schaffen sich die meisten russischen Banken Sicherheitspolster an, um potentiell drohende Schwierigkeiten leichter zu verkraften.

    Derzeit sei bei den russischen Banken eine schlagartige Zunahme der Nachfrage nach Liquiditäten zu verzeichnen. Der Gesamtumfang der Repo-Geschäfte in den ersten 18 Oktober-Tagen war um 50 Prozent größer als in den ersten neun Monaten dieses Jahres insgesamt und ist dabei, die Werte des Krisenmonats Oktober 2008 zu wiederholen.

    Dabei sei dies nicht unmittelbar mit einer Liquiditätskrise verbunden: Der Umfang der Mittel auf den Korrespondentenkonten in der Zentralbank Russlands steige kontinuierlich und übertreffe selbst die Rekordwerte der Krisenzeit 2008.

    Die Experten bewerten das Handeln der Banken als weitgehend richtig, da das Banksystem die Signale drohender finanzieller Erschütterungen als eines der ersten wahrnimmt und seine bei der vorangegangenen Krise begangenen Fehler offenbar nicht wiederholen möchte. Momentan gebe es keine Probleme mit den Liquiditäten, diese lassen sich aber durchaus prognostizieren: Die Wirtschaftsprobleme in Europa haben bereits zu einer Kapitalflucht von allen Entwicklungsmärkten geführt, die äußeren Finanzierungsmärkte werden immer dürftiger. Die Kreditfähigkeit der russischen Kreditnehmer befindet sich zwar noch auf einem annehmbaren Niveau, sollten sich aber die Probleme der souveränen Schulden einiger europäischer Länder auf das Niveau der Unternehmen verlagern, könnte sich diese mit hoher Wahrscheinlichkeit spürbar verschlechtern, was sich wiederum unmittelbar auf die Qualität der Kreditportefeuilles auswirken würde.

    Die russischen Bankkunden bekommen die Beunruhigung der russischen Banken bereits zu spüren: Die Kreditzinsen steigen, gleichzeitig wachsen auch die Deposit-Zinsen. Beides war auch für 2008 kennzeichnend. 

    Nach Auffassung der RIA-Analitika-Experten ist eine neue Welle der Weltkrise zwar noch nicht vorprogrammiert, aber durchaus wahrscheinlich. Mit Zuversicht kann man aber heute feststellen, dass der russische Banksektor für den Fall einer negativen Entwicklung in Europa und einer Einbeziehung Russlands in die Krise wesentlich besser gerüstet ist als 2008.

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