19:32 22 November 2017
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    Drittes Energiepaket in Europa: Gazprom in der Sackgasse? - "Nowyje Iswestija"

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    Russland kann nichts mit dem so genannten „Dritten europäischen Energiepaket“ anfangen, schreibt die Zeitung "Nowyje Iswestija" am Dienstag.

    Dieses seit 2009 geltende Dokument sieht vor, dass Gasförderer nicht gleichzeitig auch Pipelines besitzen dürfen, was dem russischen Energieriesen Gazprom das Leben schwer macht, der Europas Gasbedarf derzeit zu ca. 25 Prozent deckt. Wie aber der russische Energieminister Sergej Schmatko unlängst sagte, hatte die EU-Kommission „alle Vorschläge der russischen Seite abgelehnt.“

    Die jüngsten Durchsuchungen in den europäischen Gazprom-Büros haben deutlich gezeigt, dass die Europäer, die „Kartellabsprachen“  mit den  Russen vermuten, es durchaus ernst meinen. Vor allem ist die Alte Welt um den raschen Preisanstieg für das russische Gas besorgt, der allein seit  Jahresbeginn 15 Prozent ausmachte. Außerdem will die EU nicht von den russischen Gaslieferungen abhängen, besonders nach der Inbetriebnahme der Gasleitungen Nord Stream und South Stream. Die aufsehenerregenden Razzien waren ein Zeichen für Gazprom, dass der Konzern nach den EU-Regeln spielen und seine Produktions-, Transport- und Handelsabteilungen separat halten sollte. Darauf kann sich aber der streng vertikal aufgestellte Konzern nicht einlassen. Das war der Hauptgrund, warum die Verhandlungen wieder in eine Sackgasse geraten sind.

    Um die unnachgiebigen Europäer unter Druck zu setzen, sprach Minister Schmatko von einer „Diversifizierung“ der russischen Energiestrategie. „In der nächsten Zeit wollen wir unsere Energiepolitik in der östlichen Richtung maximal präzise koordinieren“, sagte er. In erster Linie handelt es sich vor allem um die Gaslieferungen nach China. Aber auch im Osten läuft nicht alles rund. Gazprom will der Volksrepublik einen Preis aufzwingen, der dem europäischen nahezu gleichen würde. Laut inoffiziellen Informationen bietet Peking jedoch etwa 100 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas weniger. Trotz dieser Differenzen nährt Moskau die Hoffnung, eine Einigung bis zum Ende des Jahres zu erreichen.

    Sergej Pjatenko von der Beratungsfirma FBK verwies in diesem Kontext allerdings darauf, dass China mit dem zentralasiatischen, genauer gesagt dem turkmenischen Gas eine Alternative zum russischen Brennstoff  und deswegen Vorteile gegenüber den Russen habe. Damit seien die Beteuerungen des Kremls, er würde mehr Gas in den Osten verkaufen, eher ein Bluff bei den Verhandlungen mit der EU, stellte der Branchenkenner fest. „Trotz der bislang erfolglosen Verhandlungen müssen Russland und Europa weiter nach einer Einigung suchen, denn Russland hat in der europäischen Richtung ein umfassendes Pipelinenetz und garantierte Abnehmer – im Unterschied zu Asien.“

    Dennoch können die Europäer solche Tatsachen nicht übersehen wie eine „Gaserpressung“ der Ukraine, die Übernahme der weißrussischen Gasleitungen von Beltransgas durch Gazprom und die zu hohen Gaspreise für Litauen, dessen Pipelines teilweise den Russen gehören. Sollten Gazproms Kartellabsprachen in Europa bewiesen werden, müssten seine europäischen Töchter allein in Deutschland mit bis zu 2,7 Milliarden Dollar Strafe rechnen.

    „Dennoch wollen die Seiten einander nicht in die Enge treiben“, findet Experte Pjatenko. „Für die Nord-Stream-Pipeline gilt das „Dritte Energiepaket“ nicht mehr. Möglicherweise wird auch für South Stream eine Ausnahme gemacht werden – alles hängt vom Erfolg des Konkurrenzprojekts Nabucco ab“, unterstrich er.

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