22:20 20 November 2017
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    Gazprom und BASF vereinbaren Aktientausch – "Kommersant"

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    Der russische Gaskonzern Gazprom und der deutsche Chemieriese BASF haben Ende der vergangenen Woche ein Partnerschaftsabkommen geschlossen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Montag.

    Der russische Gaskonzern Gazprom und der deutsche Chemieriese BASF haben Ende der vergangenen Woche ein Partnerschaftsabkommen geschlossen, schreibt die Zeitung "Kommersant" am Montag.

    Der Vereinbarung zufolge beteiligt sich Gazprom an mehreren Nordsee-Projekten der 100-prozentigen BASF-Tochter Wintershall. Im Gegenzug bekommen die Deutschen 25 Prozent plus eine Aktie bei der Erschließung von zwei Blöcken auf dem Urengoi-Gasfeld. In der Perspektive könnte Wintershall seinen Anteil an diesen Projekten auf 50 Prozent ausbauen. Welche Nordsee-Vorkommen infrage kommen, präzisierte Gazprom nicht.

    Wintershall erläuterte allerdings, dass es sich um Vorkommen in Großbritannien oder in den Niederlanden handele. (Wintershall erschließt in der Nordsee insgesamt mehr als 30 Öl- und Gasfelder – hauptsächlich im deutschen, britischen und norwegischen Schelf.) Ein Sprecher des deutschen Förderers unterstrich aber, dass die endgültige Liste noch nicht zusammengestellt worden sei, während das jüngste Abkommen mit Gazprom juristisch nicht verpflichtend sei, sondern lediglich einige finanzielle Aspekte regele und das Management betreffe. Welche Beteiligungen getauscht werden, müsse noch beurteilt werden, erst dann könnten Einzelheiten bekannt gegeben werden, hieß es.

    Wintershall rechnet mit der Erschließung von Gazprom-Vorkommen bis 2015. Beide Konzerne sind bereits seit 2008 durch ein ähnliches Projekt am Atschim-Abschnitt des Urengoi-Gasfelds verbunden. Für die Ausbeutung ist das Gemeinschaftsunternehmen Achimgas verantwortlich. Dort werden etwa acht Milliarden Kubikmeter Gas jährlich gefördert.

    Wie die Beteiligungen zwischen Gazprom und Wintershall verteilt werden, wurde bisher nicht bekannt gegeben. Die Seiten sprachen jedoch häufiger davon, dass der Anteiltausch auf gleichberechtigter Grundlage durchgeführt wird– eine entsprechende Absichtserklärung Memorandum wurde bereits im März unterschrieben. Jetzt kommt ein ähnliches Abkommen mit der Wintershall-Mutter BASF infrage.

    Die Russen seien seit langem an der Gasförderung im Ausland interessiert, sagte Denis Borissow von der Nomos-Bank. Gazprom Germania sei bereits zu 20 Prozent am Wingate-Vorkommen in der Nordsee beteiligt, dessen Ausbeutung in diesem Jahr beginnen solle.

    Nicht ganz klar sei jedoch, wozu Gazprom eigentlich ausländische Aktiva brauche, betonte der Branchenkenner: „In Russland mangelt es doch nicht an Gasvorräten.“

    Die Überkreuzbeteiligung mit Wintershall sei eher ein Schritt zur Verbesserung des Images Gazproms sowie der Versuch, deutsche Technologien zur Schelferschließung zu bekommen, stimmte Vitali Krjukow (IFD-Kapital) zu.

    Die Erfahrungen in der Nordsee könnten bei der Erschließung des Schtokmann-Gasfeldes nützlich sein, fuhr Borissow fort. Außerdem wäre eine gemeinsame Erschließung des tief gelegenen Urengoi-Vorkommens günstiger. Die Selbstkosten der Gasförderung würden derzeit auf 20 Dollar pro 1000 Kubikmeter geschätzt, führte der Experte an. In Atschim könnte er aber 40 Dollar erreichen. Nicht zu übersehen sei außerdem, dass bisher Wintershall überwiegend in die Entwicklung von Achimgas investierte (schätzungsweise 300 Millionen Euro), obwohl die Russen und Deutschen gleichberechtigt diese Firma betreiben. Gazprom habe seinen Partner nur entschädigt – mit seinen Einnahmen vom Gasexport.

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