20:01 23 September 2017
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    US-Drohnen-Markt bereit zum Abheben

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    Bis dato hat das US-Militär Drohnen hauptsächlich in Übersee eingesetzt – zu Überwachungszwecken und um Terroristenführer zur Strecke zu bringen. Nun entwickelt sich aber ein enorm profitträchtiger neuer Markt der zivilen Verwendung von Drohnen, die bald den Himmel über Amerika erobern sollen.

    Bis dato hat das US-Militär Drohnen hauptsächlich in Übersee eingesetzt – zu Überwachungszwecken und um Terroristenführer zur Strecke zu bringen. Nun entwickelt sich aber ein enorm profitträchtiger neuer Markt der zivilen Verwendung von Drohnen, die bald den Himmel über Amerika erobern sollen.

    „Das wird eine Billionen-Dollar-Industrie“, so Jerry LeMieux, ein Colonel der Air Force im Ruhestand und Gründer der Unmanned Vehicle University (Universität für unbemannte Fahrzeuge), die seit Juli akkreditierte Online-Kurse im Steuern von Drohnen anbietet. „Es wird zehntausende, wenn nicht hunderttausende Jobs in dieser Branche geben.“

    Eingefleischte Drohnen-Fans und Hersteller sehen bereits in der näheren Zukunft den Himmel über den USA voll mit Drohnen, die in verschiedenster Weise eingesetzt werden: Makler verkaufen Grundstücke mithilfe von Luftaufnahmen, Bauern bestellen ihre Felder aus der Luft, Regisseure drehen Filme und Versandfirmen liefern Pakete ab.

    Doch zunächst muss die Bundesluftfahrtbehörde der Vereinigten Staaten (Federal Aviation Administration (FAA) einen Plan zur sicheren Öffnung des Luftraums für die private unbemannte Luftfahrt entwerfen und umsetzen. US-Präsident Barack Obama hat dieses Jahr bereits ein Gesetz unterzeichnet, laut dem dieser Plan bis 30. September 2015 stehen soll. Aber finanziell steht so viel auf dem Spiel und die Erwartungen sind so groß, dass nicht alle über die geltenden Beschränkungen Bescheid wissen oder gewillt sind, auf deren Lockerung zu warten.

    „Ich bekomme schriftliche Genehmigungen der Eigentümer, dass wir über ihr Grundstück fliegen dürfen. Wir arbeiten und es scheint kein Problem zu sein“, sagt Aaron Spicker von Aerial Film FX in Kalifornien. Seine Flotte von sechs Drohnen kann mit HD-Videokameras ausgestattet werden, um so gut wie alles aufzunehmen: Von Surfwettbewerben bis zu Millionen-Villen – für zwischen 1500 und 5000 Dollar pro Dreh.

    „Realistischer geht es nicht”, sagt einer von Spickers Kunden, der Makler Ed Kaminsky.  „Wir hatten ein Gut von zwei Morgen Land, mit akribischer Landschaft, verwinkelte Wege – absolut beeindruckend. So etwas kann man kaum auf ein paar Bildern festhalten, aber das Video bringt es echt groß raus und wir haben schon potentielle Käufer gefunden.“

    Einem FAA-Vertreter zufolge ist diese Art von kommerzieller Verwendung von Drohnen illegal, die Betreiber riskieren Sanktionen und Strafen: „Wir wissen, dass es da draußen Typen gibt, die illegal fliegen, weil sie so viel Geld investiert haben, dass sie bereit sind, das Risiko in Kauf zu nehmen. (…) Es ist erstaunlich, was alles da draußen ist. Das Potential ist riesig, aber wir wollen, dass alles auf sichere Weise gemacht wird.“

    „Ich musste im November gut 35 Leute entlassen, als die FAA mir Strafen zwischen 10 000 und 100 000 Dollar pro Inzident androhte, falls wir weiter fliegen würden“, so Rusty Freeman von Mi6 Films, einem weiteren auf Luftaufnahmen spezialisierten Unternehmen in Kalifornien. Wenn die Einschränkungen fallen, könnte er 20 bis 25 Menschen beschäftigen und 50 000 Dollar pro Monat verdienen, berichtet Freeman. Stattdessen hat er das US-Geschäft bis auf weiteres eingestellt und verwendet seine Drohnen nur für Werbespots und Filme in Europa und Kanada. Potentiellen Kunden in den USA empfiehlt er anderen Firmen, die bereit sein könnten, sich über die Regelungen hinwegzusetzen.

    „Die Filmindustrie will und braucht noch immer kleine Helikopter-Drohnen, die fliegen jeden einzelnen Tag aus“, sagt er. 

    Der Progress geht ihm aber nicht schnell genug: „Es gibt keine ernstzunehmenden Bedenken gegen das, was wir tun. Wir fliegen über dem geschlossenen Filmset, keine 20 Meter über dem Boden. Drohnen sind tausendmal sicherer als richtige Helikopter.” 

    Der öffentliche Sektor hat sich bereits auf die Bewerberliste für Zertifikate gestürzt, die  es erlauben, in gewissen Situationen Drohnen zu fliegen. Die US-Luftfahrtbehörde hat bis Mitte Juli bereits 311 solcher Genehmigungen an Regierungsagenturen, Universitäten und Ordnungskräfte erlassen – mehr als doppelt so viel wie im gesamten Jahr 2009.

    Das Mesa County Sheriff’s Department in Colorado hat vor vier Jahren mit seinem Drohnen-Programm begonnen. Es hat einen etwa 1, 5  Kilogramm schweren Draganflyer X6, der 10 bis 15 Minuten in der Luft bleiben kann, und einen Falcon UAV, der über einen Propeller verfügt, sowohl für Farb- als auch für Infrarotkameras geeignet ist und rund eine Stunde Flugdauer durchhält. Letzten Winter war letzteres Gerät bei der Suche nach einem vermissten Jungen eingesetzt worden, die Hauptaufgabe beider Drohen ist jedoch, bei der komplizierten Tatortrekonstruktion zu helfen.

    „Manchmal ist es ein logistischer Alptraum, eine Jury an einen alten Tatort zu bringen, also erlaubt uns das, ihn so nahe zur Tatzeit wie möglich herzuzeigen“, erklärt Ben Miller, der Leiter des Drohnen-Programms der Polizeibehörde. „Wir fliegen einen Kreis um den Tatort und können ein 360-Grad-Photo kreieren, das uns in gewisser Weise ermöglicht, die Zeit zurückzustellen. Das ist etwas, das die bemannte Aviation nicht leisten konnte. Wenn man mit einem Helikopter nicht einmal 20 Meter über der Erde fliegt, würde man den Tatort zerstören.“

    Die wesentlich größeren Predator-Drohnen, die an die 5000 Kilogramm wiegen, werden auch für Grenzpatrouillen und zur Bekämpfung von Waldbränden eingesetzt.

    Unternehmer können es  kaum erwarten, das boomende Geschäft endlich zu Geld zu machen, aber es bestehen noch Bedenken hinsichtlich Datenschutz und Sicherheit.

    Todd Humphreys, Dozent für Luft- und Raumfahrttechnik und Direktor des Radionavigationslabors an der University of Texas, zufolge sind die Drohnen, die heute für kommerzielle Zwecke hergestellt werden, nicht sicher und könnten leicht Terroristen oder dem organisierten Verbrechen in die Hände fallen.

    „Die Software, mit der eine Attacke gestartet werden kann, wird immer besser und billiger, und die Drohnen werden mehr und mehr“, warnt der Experte. 

    Der Vertreter der US-Luftfahrtbehörde mahnt ebenfalls zu Geduld, gibt aber zu, dass sich, wenn alle Regelungen getroffen sind, unbegrenzte Möglichkeiten eröffnen: „In zehn bis fünfzehn Jahren wird es vielleicht ferngesteuerte Cargoflieger geben – und wer weiß, was noch alles. Das Potential ist enorm.“

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