06:36 02 April 2020
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    Gazprom verzichtet auf Übernahme der griechischen DEPA wegen Position der EU-Kartellwächter

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    Der russische Gasmonopolist Gazprom ist aus einem Wettbewerb der griechischen Regierung zum Kauf des Versorgers DEPA ausgestiegen.

    Der russische Gasmonopolist Gazprom ist aus einem Wettbewerb der griechischen Regierung zum Kauf des Versorgers DEPA ausgestiegen.

    Das berichteten griechische Medien am Montag. Am 10. Juni hatten die Teilnehmer ein bindendes Angebot vorzulegen. Medienberichten zufolge reichte Gazprom die Papiere nicht und begründete seine Entscheidung mit der Position Athens und Brüssels. Nach Worten von Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow kann die Regierung in Athen keine Garantien dafür geben, dass sich die finanzielle Lage von DEPA zum Abschluss des Geschäfts nicht verschlechtert. Zudem wolle Griechenland Gas zu Preisen verkaufen, die etwa 30 Prozent über dem europäischen Durchschnitt lägen.

    Zudem hatte ein ranghoher EU-Amtsträger am vergangenen Samstag Athen davon in Kenntnis gesetzt, dass die EU-Kartellwächter die Übernahme von DEPA und deren Tochter DESFA durch die russischen Konzerne Gazprom und Sintes blockieren werden. Medienberichten zufolge hatte die EU-Position von Anfang an für Ungewissheit gesorgt. Nachdem die russische Seite erfahren habe, dass die EU-Kartellwächter gegen den Verkauf von DEPA und DESFA (an die Russen) plädieren werde, habe sie beschlossen, kein bindendes Angebot zu stellen, hieß es.

    Der Konzern Negusneft der Unternehmensgruppe Sintes verweigerte das bindende Angebot zur Übernahme von DESFA. Auch griechische Konzerne verzichteten. Das einzige Angebot wurde vom aserbaidschanischen Konzern SOCAR in der Hoffnung gestellt, künftig sein Gas über die Transadria-Leitung auf den europäischen Markt zu pumpen.

    Durch den misslungenen Verkauf von DEPA entstand im griechischen Fiskus ein Loch von etwa einer Milliarde Euro. Das Kabinett sieht sich gezwungen, entweder das Programm zu ändern oder nach neuen Quellen für die entgangenen Einnahmen zu suchen.

    Nach Abstimmung mit den EU-Gläubigern hatte Griechenland geplant, 65 Prozent am Gaskonzern DEPA und ein Paket von Aktien des Gaspipelinebetreibers DESFA zu verkaufen, an dem der griechische Staat 34 Prozent behalten wird. Zudem wird der Konzern Hellenic Petroleum die restlichen 35 Prozent der DEPA-Anteile anbieten.

    Am Montagabend kündigte Griechenlands Vizeenergieminister Makis Papageorgiou an, dass der Wettbewerb wiederholt wird. "Wir glauben, dass die nächste Etappe unter günstigeren Bedingungen stattfindet, weil es keine Gefahr des Ausstiegs Griechenlands aus der Eurozone mehr gibt", wurde der Minister vom Internetportal capital.gr zitiert. Er forderte Gazprom auf, in den neuen Wettbewerb einzusteigen.

    DEPA ist auf den Großhandel mit Erdgas spezialisiert. Über die Tochter DESFA besitzt die DEPA-Holding das nationale Gastransportnetz sowie LNG-Regasifizierungsterminals in Griechenland. Zudem hält DEPA jeweils 51 Prozent der Anteile an Einzelhandelskonzernen, die Erdgas an mittelständische und Kleinunternehmen sowie an Privatkunden liefern.

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