06:00 26 Oktober 2020
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    Krisenstimmung in Russlands Wirtschaft (146)
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    Russland hat sich nach Ansicht des namhaften russischen Wirtschaftsexperten Wladimir Mau diesmal besser auf den Öl-Preisverfall vorbereitet als 1986. „Hätten wir eine solche Entwicklung nicht erwartet, so hätten wir in den letzten 15 Jahren keinen Stabilisierungsfonds akkumuliert“, so Mau.

    Heute verfüge Russland über einen weitgehend ausgewogenen Staatshaushalt, geringe Staatsschulden sowie bedeutende Gold- und Devisenreserven und habe auch eine niedrige Arbeitslosigkeit, betonte Mau, der als Rektor der Akademie für Volkswirtschaft und öffentlichen Dienst beim Präsidenten Russlands das am Mittwoch beginnende Gaidar-Wirtschaftsforum in Moskau mit organisiert hat. 

    Der international bekannte Makroökonom Kenneth Rogoff, der zum Gaidar-Forum gekommen ist, sieht neben geopolitischen Faktoren auch den sinkenden Ölpreis als eine Hauptursache der gegenwärtigen Probleme der russischen Wirtschaft. Negative Prozesse seien aber auch in anderen Volkswirtschaften zu beobachten, so der Experte. „Es liegt an der Verlangsamung des Wachstums in China und an der Schieferöl-Revolution in den USA, die das Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage bei Erdöl beeinflusst. Von den niedrigen Preisen profitieren die EU und in einem bestimmten Maße auch Japan. Die Öl-Exportländer wie Venezuela, Mexiko, Norwegen und Russland erleiden zugleich Verluste.“

    Zugleich schließt Rogoff nicht aus, dass der Ölpreis wieder steigen wird. „Der Ölpreis ist ein überaus volatiler Faktor“, betonte er. „Selbst Saudi-Arabien ist über die gegenwärtige Entwicklung besorgt, obgleich dies auch anders erscheinen mag. Auf jeden Fall braucht Russland Strukturreformen, die recht viel Zeit in Anspruch nehmen könnten.“ Nach seiner Schätzung könnten diese Reformen sechs bis acht Jahre brauchen.

    Wladimir Mau fügte in diesem Zusammenhang hinzu, dass alle bisherigen ernsthaften Reformen in Russland bei niedrigen Ölpreisen durchgeführt wurden.

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    Erdöl, Gold, EU, Kenneth Rogoff, Wladimir Mau, Moskau, Russland