22:36 04 August 2020
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    Turkish Stream (90)
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    Der EU-Kommissar für die Energieunion, Maroš Šefčovič, hat den Beschluss Russlands zum Bau der Gaspipeline Türkischer Strom als einen schweren Schlag auf das Ansehen des Gazprom-Konzerns bezeichnet. „Das stellt das Image von Gazprom als eines zuverlässigen Gaslieferanten infrage“, sagte Šefčovič am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in Moskau.

    Russlands Energieminister Alexander Nowak widersprach: „Gazprom hat seine Verpflichtungen zur Versorgung Europas mit Erdgas im Laufe von Jahrzehnten strikt erfüllt. Von einem Imageschaden kann also keine Rede sein“, sagte Nowak nach Verhandlungen mit dem EU-Kommissar.

    Gazprom-Vorstandschef Alexej Miller informierte Šefčovič über die Entscheidung Russlands, die nach Europa via Ukraine gepumpten Gasmengen in die künftige Pipeline Türkischer Strom umzuleiten, die an der türkisch-griechischen Grenze enden würde. „Die europäische Seite ist erstaunt über diese Idee“, sagte Šefčovič.

    „Ich bin nach Moskau gekommen, um Möglichkeiten für Südosteuropa nach dem Stopp des Gasprojekts South Stream auszuloten. Dass die Pipeline Türkischer Strom gebaut werden soll, war für uns nicht neu. Neu war, dass der gesamte Ukraine-Gastransit künftig durch die Türkei fließen soll. Dabei geht es um relativ große Gasmengen, die die Türkei und Länder im Südosten Europas allem Anschein nach nicht brauchen“, sagte der Kommissar.

    Jetzt erhebe sich die Frage, was südosteuropäische Länder tun sollten. „Wir werden überlegen. Vielleicht werden wir eine andere Lösung vorschlagen, die in ökonomischer Hinsicht besser fundiert sein wird. Das Problem besteht darin, wie diese Gasmengen (etwa 50 Milliarden Kubikmeter – Anm. der Redaktion) durch europäische Länder zu verteilen sind“, sagte Šefčovič.

    Zuvor hatte Gazprom-Chef Miller Šefčovič daran erinnert, dass das Gasprojekt South Stream endgültig gestoppt ist. „Die Gaspipeline Türkischer Strom ist der einzige Weg, über den 63 Milliarden Kubikmeter russischen Gases, die zurzeit noch durch die Ukraine transportiert werden, (nach Europa) geliefert werden können. Andere Varianten gibt es nicht. Unsere europäischen Partner sind darüber informiert und haben jetzt die Aufgabe, die erforderliche Gastransportinfrastruktur an der türkisch-griechischen Grenze zu bauen“, sagte Miller.

    Anfang Dezember vergangenen Jahres hatte Russland wegen des Widerstandes der EU den Bau der South-Stream-Pipeline gestoppt, durch die russisches Gas ab 2018 direkt nach Südeuropa fließen sollte. Stattdessen sollen eine neue Pipeline in die Türkei sowie ein Gashub an der türkisch-griechischen Grenze mit einer Kapazität von bis zu 50 Milliarden Kubikmeter für die Versorgung Südeuropas gebaut werden.

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    Gazprom, Alexander Nowak, Alexej Miller, Maroš Šefčovič, Russland, Türkei