09:05 29 Januar 2020
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    Schwierig, aber neue Chancen eröffnend - so schätzen die deutschen Unternehmer laut neuester AHK-Umfrage den russischen Markt ein. Die größte Herausforderung seien weniger die Sanktionen, mehr aber sich durch Vorurteile nicht beängstigen zu lassen, meint Dr. Karin von Bismarck, Vorstandsvorsitzende Wirtschaftsklub Russland.

    „Russisch-deutsche Zusammenarbeit unter neuen Bedingungen“ – unter solchem Motto verlief am 26. Januar das Wirtschaftstreffen in der Industrie- und Handelskammer der Russischen Föderation. Die Bedingungen sind in der Tat neu, selbst für Uwe Leuschner, der seit über 25 Jahren in Russland unternehmerisch tätig ist. „Die aktuelle Krise ist eine andere, als die Finanzkrisen, die wir hier zum Beispiel 1998, 2004 oder 2009 erlebt haben. Ich bin seit 25 Jahren in Russland unternehmerisch tätig. Heute haben wir Krise, hinter der Werte stehen. Es wird eine längerfristige Krise sein. Aber wir sind alle als Unternehmer nach Russland gekommen, nicht nur um Geld zu verdienen, sondern aus einer gewissen sozialen Verantwortung für unsere Mitarbeiter, für das, was wir hier langfristig aufbauen wollen. Natürlich werden wir uns hier ein paar Kostenfragen neu anschauen. Aber langfristig wissen wir, dass diese Krise auch eine Chance für eine weitere Integration und Entwicklung ist“, sagte Uwe Leuschner, Finanzvorstand Wirtschaftsklub Russland, in einem Gespräch mit Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa. 

    Die aktuelle Krise habe sich allerdings seit langem abgezeichnet, meint Dr. Gerd Lenga, Vorstandsmitglied Osteuropaverein, ehemaliger Generalbevollmächtigter Knauf Gruppe GUS, im Gespräch mit Sputnik: „Die russische Wirtschaft ist in keiner guten Situation. Das hat sich allerdings schon länger abgezeichnet. Und wir haben immer darauf hingewiesen, dass die Rohstoff-Exportüberschüsse zur Unterstützung der Industrie und der Infrastruktur verwendet werden sollen. Das wurde leider nicht ausführlich gemacht und das rächt sich jetzt.“ 

    Eine weitere Integration, die sich die Unternehmer erhoffen, bietet sich etwa mit dem Vorschlag der Bundesregierung an, den Freihandelsraum mit Russland zu entwickeln. Etwas verspätet, aber erfreulich findet den Vorschlag Dr. Lenga: „Mit Sicherheit wird die gemeinsame Freihandelszone beide Wirtschaften stärken. Es hätte mich aber noch mehr gefreut, wenn ich das vor Monaten oder vor Jahren gehört hätte. Ich glaube, russische Wirtschaft und russische Politik kann an so einem Angebot nicht vorbeigehen und beleidigt wie ein kleines Kind sagen: „Nein, jetzt ist zu spät.“ 

    Neben der Integration wären auch solche Maßnahmen für den russischen Markt rettend, wie etwa mehr Selbstwerbung und der Ausbau des Bereichs Logistik, finden die Experten. Auch Steuerreformen würden den Markt attraktiver machen und die Stimmung bei potenziellen Investoren wieder heben, so Gerd Lenga. Denn gerade die neuen Akteure auf dem russischen Markt stehen vor der größten Herausforderung, nämlich „sich nicht manipulieren zu lassen“, sagte Dr. Karin von Bismarck, Vorstandsvorsitzende Wirtschaftsklub Russland, im Interview für Sputnik. „Unternehmer, die lange in Russland beschäftigt sind, kennen das Land. Aber Unternehmer, die jetzt in das Geschäft einsteigen, fühlen sich möglicherweise verängstigt. Und da ist eine Herausforderung, dass man im positiven Dialog bleibt und nicht falsche Ängste schürt“, so von Bismarck. Das Russland-Bild sei in Europa ein anderes: Rechtsunsicherheit, Korruption, keine guten Eigentumsverhältnisse usw., was nicht der Fall sei, führt Karin von Bismarck weiter. „Die 25 Jahre erfolgreicher Zusammenarbeit sprechen für sich. Manche sind dann wirklich verblüfft, als sie in Russland ankommen und die Vorurteile dann weg sind“, ergänzt Uwe Leuschner.

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    Tags:
    Industrie- und Handelskammer der Russischen Föderation, Deutschland, Russland