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17:46 15 Oktober 2019
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    Griechenland: Odysseus-Mission für die EU

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    Wirtschaft
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    Die neue Regierung in Athen hat das Parlamentsvertrauen zugesprochen bekommen. Und somit grünes Licht für ihren neuen Wirtschaftskurs. Abkehr vom gemeinsamen Kurs prägt als Hauptvorwurf die gegenwärtige EU-Rhetorik gegenüber Griechenland. Ein Odysseus-Verfahren, meinen die Griechen, bedeutet gerade eben, mehrere Wege zu finden.

    „Dieses grüne Licht bedeutet den kompletten Umbau des gesamten griechischen Landes. Das heißt, Griechenland ist klar daran interessiert, sich abzuspalten bzw. so auf eigenständigen Kurs zu gehen, dass die EU es sich schwertun wird, tatsächlich adäquates Angebot noch zu unterbreiten“, erklärt geopolitischer Wirtschaftsexperte Thomas Stütz im Interview für Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa. 

    Eine Abspaltung könnte sich Griechenland durchaus leisten, schätzt Thomas Stütz ein: „Griechenland hätte die Chance, sich sehr autonom am Weltmarkt zu behaupten und damit zur Regenerierung des eigenen Landes beizutragen, genug, um diesen Schritt gehen zu können.“

    Bisher habe die EU die Krisenländer großzügig mit Geldern vollgepumpt, eins hat aber die EU niemals gemacht, kritisiert der Experte, nämlich: „Die verschuldeten Länder tatsächlich zu restrukturieren und dadurch nicht nur die Schulden weniger zu machen sondern auch sie im EU-Gebilde wertvoller Partner werden zu lassen.“ 

    Soweit braucht Griechenland laut Stütz circa 50 bis 70 Milliarden Euro, um das Land komplett umzubauen. Und die Restrukturierung sei für das Land  absolut notwendig. „Im Gebilde der EU-Abhängigkeit hat Griechenland es sich die letzten Jahre sehr einfach gemacht. Diese immensen Summen wurden sehr gerne angenommen aber natürlich nicht so verwendet, wie wir es aus Deutschland oder aus England und anderen Staaten gewohnt sind, also nicht zielführend für die Wirtschaft genutzt, man hat es einfach laufen lassen. Heute haben wir einen anderen Kurs. Griechenland bräuchte zwischen 50 und 70 Milliarden, um das Land komplett umzubauen“, so Experte Thomas Stütz. 

    Neben dem Verzicht auf den strikten Sparkurs setzt sich die neue griechische Regierung für Reparationszahlungen ein. Auch Russlands Finanzhilfe könnte in Sicht gestellt werden. Das Eine ist unrealistisch, das Andere hätte politische Konsequenzen, meint Stütz weiter: „Dieses Argument der Reparationszahlung ist meiner Meinung nicht Anderes als ein Ausdruck von ‚Wir ärgern uns schon lange über die Regierung und die Frau Merkel‘. Und das ist nicht realistisch umsetzbar. Griechenland bräuchte, wenn es die Forschungsfinanzierungen bekommt, keine weiteren Kredite von gar niemand.  Sie könnten autonom auf dem Weltmarkt sehr einfach als blühende Wirtschaft stehen“. 

    „Wenn sich Griechenland abspalten und als möglich die Koalition mit China und Russland eingehen würde, dann wäre das zudem ein Nato-Land, das schlagartig mit Russland zusammenarbeitet. Das ganze Modell der Sanktionen würde gegen Russland infrage gestellt werden, denn Russland bekommt so den Fuß in die Nato-Zone hinein und das ist nicht zu unterschätzen“, fügt Thomas Stütz hinzu.

    Die mögliche Annährung mit Russland bedeute nur, dass „Griechenland derzeit versucht, als ein Nachfahren von Odysseus, mehrere Wege zu finden, um sich in internationalen Märkten durchsetzen zu können“, so Dr. Dimitri Kamargiannis, Mitglied des Vorstandes und Vorstandsvorsitzender der Hellenic Vehicle Industry, für Sputnik-Korrespondentin Marina Piminowa. Dabei könnte Griechenland für die EU ein unersetzbarer Vermittler werden.

    „Griechenland hat durch seine Mittelmeer-Lage eine Sonderposition. Das ganze Mittelmeer ist im Pulverfass, zu diesen Konflikt-Ländern hat Griechenland traditionelle und historische Beziehungen  und könnte als Sprungbrett für europäische und deutsche Unternehmen sein und ihnen helfen, in diesen Ländern Fuß zu fassen. Wir waren und sind ein Odysseus-Volk“, sagt Kamargiannis.

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    Tags:
    EU, Griechisches Parlament, Thomas Stütz, Griechenland