00:25 24 Januar 2018
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    Erdgaslieferungen an die Ukraine

    Ukraine zahlt nicht für Gas – Gazprom warnt vor Lieferstopp

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    Wirtschaft
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    Der ukrainische Energieversorger Naftogaz hat die vereinbarte Vorauszahlung für März bislang nicht überwiesen. Der russische Lieferant Gazprom könnte schon in zwei Tagen seine Lieferungen stoppen.

    „Die Ukraine hat die nächste anstehende Vorauszahlung nicht rechtzeitig überwiesen. Gegenwärtig sind nur 219 Millionen Kubikmeter bezahlt“, sagte Gazprom-Chef Alexej Miller am Dienstag. Nachdem Gazprom die von der Ukraine bestellte Menge von 114 Millionen Kubikmetern völlig geliefert haben werde, könnte es schon in zwei Tagen zu einem Lieferstopp kommen, „was ersthafte Risiken auch für den Transit nach Europa haben könnte“.

    Naftogaz bestätigte, keine Vorauszahlung geleistet zu haben, und beschuldigte Gazprom, die bestellten Mengen nicht zu liefern: Man habe für den 22. und 23. Februar jeweils 114 Millionen Kubikmeter bestellt, jedoch nur 47 bzw. и 39 Millionen erhalten. Aus diesem Grund werde Naftogaz vorerst keine Zahlungen überweisen, hieß es. Dabei versicherte Unternehmens-Chef Andrej Kobolew, dass der Gastransit nach Europa nicht gefährdet sei.

    Die ukrainische Regierung hatte am 19. Februar die Gasversorgung der abtrünnigen Industrie-Gebiete Donezk und Lugansk völlig eingestellt. Seitdem liefert Gazprom Gas an Naftogaz auch durch die Gas-Messstationen Prochorowka und Platowo, die unter Kontrolle der nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk stehen. Dabei beruft sich Gazprom auf den Gasvertrag mit Naftogaz aus dem Jahr 2009, laut dem Erdgas auch durch diese beiden Stationen geliefert werden darf. Daraufhin erhöhte Naftogaz seine Tagesbestellmengen durch die anderen Gas-Messstationen um die Hälfte. Laut Experten will der Kiewer Staatskonzern die bezahlten Gasmengen schnellstens abnehmen, um Gazprom dazu zu zwingen, die ostukrainischen Regionen außerhalb des Vertrags zu versorgen.

    Gazprom hatte von Juni bis Dezember kein Gas mehr an die Ukraine geliefert, weil Kiew seit Monaten die Rechnungen nicht mehr bezahlt und seit November 2013 Schulden in Höhe von 5,3 Milliarden US-Dollar angehäuft hatte. Nach monatelangen Verhandlungen vereinbarten Russland, die Ukraine und die EU-Kommission Ende Oktober einen Winterplan für die Gasversorgung, der eine Wiederaufnahme der Gaslieferungen an die Ukraine vorsieht und einen reibungslosen Transit in die EU in der Winterzeit garantieren soll. Laut dem Plan musste die Ukraine bis Jahresende 3,1 Milliarden von ihren insgesamt 5,3 Milliarden US-Dollar Schulden an Russland zurückzuzahlen und darf bis Ende März Erdgas gegen Vorkasse und zu einem Sonderpreis beziehen.

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    Tags:
    Erdgas, Gazprom, Naftogaz, Alexej Miller, Andrej Kobolew, Ukraine