14:51 04 April 2020
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    Russland hängt laut dem früheren russischen Ölmagnat und Ex-Yukos-Chef Michail Chodorkowski nicht so stark von fossilen Brennstoffen ab, wie man glaubt: Zu 80 Prozent werde seine Wirtschaft von den Bürgern geschaffen. Dem Tycoon zufolge steht das Land vor großen Veränderungen.

    „Die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft machen weniger als die Hälfte des russischen Staatshaushalts aus“, sagte Chodorkowski am Donnerstagabend im Chatham House, The Royal Institute of International Affairs, in London. „Im einheitlichen Staatsetat, der auch die regionalen und die lokalen Haushalte erfasst, betragen die Gas- und Öleinnahmen etwa ein Viertel.“

    Durch Ölverkauf verdiene Russland jährlich 343,4 Milliarden Dollar und Saudi-Arabien 338 Milliarden Dollar. Das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) sei dabei dreimal so groß als das saudische BIP.

    Der Öl- und Gassektor mache rund 20 Prozent des russischen BIP aus. Die restlichen 80 Prozent bzw. den Wertzuwachs schaffen einfache Menschen – sie zahlen Steuern und sind vollwertige Teilnehmer der Wirtschaft, so Chodorkowski.

    Die russischen Behörden hätten einen Antikrisenplan vorgelegt, dessen Details allerdings noch nicht bekannt seien. Nichtsdestoweniger ist Chodorkowski optimistisch eingestellt.

    „Wenn ist sehe, was in hiesigen Zeitungen über Russland geschrieben wird, bekomme ich den Eindruck, ich sehe mein Land nicht“, so Chodorkowski.

    Im heutigen Russland beobachte er nicht nur eine „Konfrontation zwischen den Behörden und der Opposition“. „Ich sehe, dass in den zurückliegenden 25 Jahren eine ganze Generation von Menschen entstanden ist, die talentiert und gut ausgebildet sind.“ Viele davon seien vollkommene Weltbürger, „die imstande sind, mit den besten Vertretern ihrer Sparten weltweit zu konkurrieren“.

    Trotz früheren Behauptungen, er wolle nicht in die Politik zurückkehren, sagte Chodorkowski, die jetzige Regierung sei nicht imstande, einen Ausweg aus der Krise vorzuschlagen. „Wir könnten diesen aber selbständig konzipieren.“ Er sei bereit, nicht nur politische und bürgerliche Aktivisten zur Arbeit heranzuziehen.

    „Wir werden einen ausführbaren Plan von Wirtschaftsreformen vorschlagen, die das Wirtschaftspotential des Landes entfalten und das erforderliche Wachstum bringen werden.

    „Wir konzipieren ein Leitungsmodell für die Schlüsselbranchen, welches um ein Vielfaches effektiver sein wird als das jetzige in unserem Land“, versicherte er.

    Nach seiner vorzeitigen Entlassung aus zehnjähriger Haft 2013 hatte Chodorkowski erklärt, er wolle sich erst einmal der Familie und der gesellschaftlichen Tätigkeit widmen. Er wolle keinen Machtkampf. In einem Interview mit der Zeitung „Le Monde“ erklärte er sich später unter gewissen Voraussetzungen bereit, für die russische Präsidentschaft zu kandidieren, wenn es „notwendig wäre, die Krise zu bewältigen“.

    Sergej Pirogow

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    Tags:
    Erdgas, Erdöl, Yukos, Michail Chodorkowski, Saudi-Arabien, Russland