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    Debatte um Finanztransaktionssteuer

    Milliardeneinnahmen für Deutschland: Finanztransaktionssteuer

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    Wirtschaft
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    Deutschland und weitere EU-Länder beraten über eine gemeinsame Finanztransaktionssteuer, nun bringt eine Studie frischen Wind in die Diskussion. Sie verspricht Milliardeneinnahmen, selbst wenn der Handel abflaut. „Deutschland könnte mit Einnahmen von jährlich bis zu 44 Milliarden Euro rechnen“, sagt DIW-Finanzexpertin Dr. Dorothea Schäfer.

    "Es wird einfach sehr viel Handel betrieben. Und wir folgen dem ursprünglichen Entwurf der EU-Kommission, was die Berechnung der Steuer anbelangt", so Schäfer im Gespräch mit RIA-Novosti-Korrespondent Marcel Joppa. Durchgeführt hat die Studie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung. Sie geht davon aus, dass Aktien oder Anleihen mit einem Steuersatz von je 0,1 Prozent des Kaufpreises belegt werden. Bei Derivaten beträgt der Satz 0,01 Prozent. Doch auch eine Abwanderung des Handels ins weniger besteuerte Ausland wurde einkalkuliert, so Schäfer: "Das ist natürlich ein Maximalszenario. Wenn man jetzt das Szenario unterstellt, was auch die EU-Kommission sieht, nämlich 15 Prozent weniger Umsatz bei den Wertpapieren und 75 Prozent weniger Umsatz bei den Derivaten, dann ist man bei 18 Milliarden Einnahmen für Deutschland."

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    © Sputnik / John Kolesidis/File
    Vor rund drei Jahren haben Deutschland und zehn weitere EU-Staaten die Einführung einer Finanztransaktionssteuer beschlossen. Bisher ist jedoch noch keine Einigung in Sicht. Für Schäfer hat das klare Gründe: "Warum es bisher keine Einigung gibt, hat damit zu tun, dass Frankreich und Italien bereits eine Steuer eingeführt hatten und nun wollen, dass diese Steuer auch eins zu eins in der EU umgesetzt wird.“ Mittlerweile hat es aber auch hier erste Erfolge gegeben und die Finanztransaktionssteuer rückt näher. Eine Ausnahme bleibt das Vereinigte Königreich, und dies wird laut Schäfer auch so bleiben: "Großbritannien möchte halt einerseits sein bisheriges Modell beibehalten und es möchte aber auch von Finanztransaktionssteuern grundsätzlich ausgenommen bleiben, die im EU-Gebiet erhoben werden. Weil sich London noch mehr Handel verspricht, wenn es sich gegen diese Besteuerung ausspricht."

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    © REUTERS / Kai Pfaffenbach
    Doch selbst mit einer Verlagerung des Handels nach Großbritannien und einem möglichen Kompromiss der EU-Staaten auf einen niedrigeren Zinssatz, bleibt unter dem Strich ein Gewinn, so Schäfer: "Man muss sich einfach die Dimensionen der Finanztransaktionen anschauen, die sind riesig. Auch wenn es zu Rückzügen kommt, würde es trotzdem noch erhebliche Steuereinnahmen geben." Aber laut Schäfer bringt die Finanztransaktionssteuer noch einen weiteren Vorteil, denn auch risikoreiche Bankgeschäfte würden besteuert: "So sollte uns die Finanzkrise gelehrt haben, dass nicht die Maximierung des Handelns und des Umsatzes wünschenswert ist. Sondern vernünftige Umsätze, die im Sinne der Realwirtschaft sind und nicht aus spekulativen Gründen. Und wenn dazu die Finanztransaktionssteuer beiträgt, sie langfristiges Investieren fördert, dann ist das auch ein positives Ergebnis."

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    Tags:
    Finanztransaktionssteuer, Steuer, Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), EU, EU-Kommission, Dorothea Schäfer, Deutschland, Großbritannien