12:32 19 November 2019
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    Riads Preis-Attacke auf US-Schieferöl: „Auch politische Vorteile“

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    Wirtschaft
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    Die Regierung in Riad rechnet nach Ansicht eines Experten damit, dass niedrige Ölpreise den US-amerikanischen Schieferöl-Projekten schaden. Saudi-Arabien bekommt auch Vorteile im Konkurrenzkampf gegen Russland, Venezuela und den Iran. Doch diese Strategie ist für das Königreich selbst nicht ganz risikofrei.

    Die Schieferöl-Revolution in den USA gefährdet die bisherigen Markvorteile des saudischen Königreichs, schreibt Anas Alhajji, Chefökonom von NGP Energy Capital Management, in einem Artikel, den die russische Zeitung „RBC Daily“ am Dienstag veröffentlichte. „Doch der jüngste Ölpreis-Verfall könnte die Situation ändern. Saudi-Arabien reduziert nicht seine Ölproduktion, indem es offenbar darauf hofft, dass niedrige Ölpreise auf einen Rückgang der Investitionen in die amerikanische Schieferöl-Branche hinauslaufen und das Wachstum der US-Produktion dadurch untergraben“, so Alhajji.

    Die niedrigen Preise seien möglicherweise einer der Gründe dafür, dass die USA nach wie vor keinen Rohöl-Export wagen. Der Preisverfall scheine also in der Lage zu sein, den Saudis direkte Vorteile zu bringen, hieß es.

    Der Experte stellt fest: „Obwohl Saudi-Arabiens Motive wahrscheinlich rein wirtschaftlich waren, sichert der Preisverfall auch klare politische Vorteile. Er bereitet insbesondere dem Iran Probleme, d.h. dem wichtigsten Konkurrenten Saudi-Arabiens in der Region. Auch die instabilen und ölabhängigen Wirtschaften Russlands und Venezuelas bekommen Schwierigkeiten. Keines dieser Länder hat genug Ersparnisse, um den Rückschlag wegen der schrumpfenden Öleinnahmen zu dämpfen.“

    Alhajji prognostiziert, vor diesem Hintergrund werde Saudi-Arabien seine Ölförderung auch weiterhin kaum drosseln. Deswegen bleibe der Ölpreis vorerst niedrig. Dann werde der Marktmechanismus vermutlich eine Preiserhöhung stimulieren. Diese werde allerdings eher begrenzt sein. Saudi-Arabien werde offenbar versuchen, die (vor allem nordamerikanischen) Nicht-Opec-Länder zu einer Erhöhung der Ölproduktion zu bewegen – entsprechend der steigenden internationalen Nachfrage.

    „Zwar wäre Saudi-Arabien an einem Anstieg der Ölpreise interessiert, um seine Wirtschaft zu unterstützen. Doch dieser Anstieg soll nicht allzu stark sein, damit die Ölproduzenten außerhalb der Opec keine drastische Erhöhung ihrer Liefermengen beschließen. Um die Preise in diesem idealen Bereich zu behalten, wird Saudi-Arabien möglicherweise sogar seine Ölproduktion erneut steigern“, schreibt Alhajji.

    Diese Strategie sei nicht risikofrei. Kurzfristig seien die allzu niedrigen Preise in der Lage, eine politische Instabilität in manchen ölexportierenden Ländern zu provozieren. Daraus könne ein Preisanstieg resultieren. Ein Rückgang der Investitionen in die Ölförderung (insbesondere in Mega-Projekte) könne außerdem mittel- bis langfristig einen Preisanstieg über den idealen Stand hinaus zur Folge haben, hieß es weiter.

    „Doch das größte Risiko ist wohl das Schieferöl in den USA. Im den nächsten Jahren werden sich die US-Lieferanten wahrscheinlich zurückziehen, um sich auf die lukrativsten Projekte zu konzentrieren, die Technologien zu modernisieren und die Ausgaben zu senken. Danach werden sie die Produktion wieder erhöhen. Und die gegenwärtige Strategie Saudi-Arabiens wird es dem Königreich nicht mehr ermöglichen, seine dominierende Lage auf dem Markt zu behalten“, schlussfolgert Alhajji.

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    Tags:
    Erdöl, OPEC, Anas Alhajji, USA, Venezuela, Iran, Saudi-Arabien