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17:13 20 September 2019
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    Entwicklungshilfe: Kooperation auf Augenhöhe ist gefragt - Experte

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    Wirtschaft
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    Eigentlich soll die Entwicklungshilfe dazu dienen, weltweite Unterschiede in der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung zwischen Industrie- und Entwicklungsländern abzubauen. Dirk Messner vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik sagt: „Sowohl die Nord-Süd-Konstellation, als auch die Geber- und Nehmer-Perspektive muss sich ändern.“

    Sonst könnte aus der idealistischen Idee ein wohlmeinender Paternalismus werden. Warum wollen die Industrieländer eigentlich den Entwicklungsländern helfen? Gibt es altruistischen Kapitalismus? Natürlich nicht. Auch für die Industrieländer und gerade für Exportnationen wie Deutschland sind stabile Regionen und prosperierende Ökonomien weltweit von Vorteil. Dirk Messner betont außerdem gemeinsame Interessen, vor allem beim Klimawandel.

    Er sagt: „Nun kann man ja auf verschiedene Art helfen: mit Geld, mit Knowhow, mit Warenlieferungen. Aber nicht jede Hilfe ist per se hilfreich. Selbst harmlos scheinende Nahrungsmittelhilfen können schädlich sein, wenn dadurch Produkte der eigenen Landwirtschaft in dem Entwicklungsland plötzlich nicht mehr konkurrenzfähig sind. Auch die Aktivitäten von Weltbank und IWF sind oft umstritten. Sehr stark auf wirtschaftsliberale Reformen ausgerichtete Finanzstrategien haben viele Länder überfordert“.

    Grundlegend findet Messner den Ansatz der Entwicklungshilfe jedoch progressiv und innovativ. Im Gegensatz zu den Außenministerien, die in erster Linie die nationalen Interessen ihrer Staaten vertreten, herrsche in den Entwicklungsministerien mehr Weltblick. Die Bereiche der Entwicklungshilfe haben sich dabei gewandelt. Während es in den 1960er Jahren mehr um Kapitalexport ging, geht es heute vor allem um Sozialpolitiken (Umwelt, Grundbildung, Gesundheit), Stärkung von Institutionen (Rechtsstaatlichkeit) sowie Umwelt- und Nachhaltigkeitsfragen.

    Gut die Hälfte des Budgets der internationalen Entwicklungszusammenarbeit, ca. 130 Milliarden US-Dollar, geht in die ärmsten Länder der Welt und dabei der größte Teil nach Afrika. Der Rest verteilt sich auf die unteren und mittleren Einkommensländer. Die größten Geldgeber sind die reichsten Länder und zwar nicht nur im Norden, sondern auch die reicheren arabischen Länder tragen viel zur Entwicklungshilfe bei. Deutschland investiert 0,38% des Bruttosozialproduktes in diesen Bereich, wobei sich die Industrieländer international eigentlich auf 0,7% geeinigt haben. Die skandinavischen Länder oder auch Großbritannien erfüllen diese Quote bereits.

    Zur Zukunft der Entwicklungszusammenarbeit befragt, betont Dirk Messner, dass es das Wichtigste ist, Formen wechselseitiger Kooperationen weiterzuentwickeln. Denn internationale Kooperationen seien angesichts knapper werdender Ressourcen und vieler Konflikte in der Welt dringend nötig. „Voraussetzung dafür ist, dass sowohl die Nord-Süd-Konstellation, als auch die Geber- und Nehmer-Perspektive sich weiter ändert. Auch das Knowhow sich entwickelnder Länder muss genutzt werden. Das ist ein Lernprozess, der da vor den Institutionen liegt", so Dirk Messner.

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    Tags:
    Dollar, Weltbank, IWF, Dirk Messner, Großbritannien, Afrika, Deutschland