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12:05 20 September 2019
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    Kapitalflucht und QE-Programm: Fällt Euro ins Bodenlose?

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    Wirtschaft
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    Analysten der Deutschen Bank prognostizieren eine weitere Aufwertung des Dollar gegenüber dem Euro. Auch russische Experten kommentieren die Aussichten der europäischen Gemeinschaftswährung.

    „Zwar setzt die Kapitalflucht derzeit den Euro wirklich unter Druck. Doch meine Haltung zur Prognose der Deutschen Bank ist skeptisch“, sagte der für wirtschaftliche Prognosen zuständige Analyst der russischen Gazprombank, Jegor Sussin. Die Agentur RBC zitierte ihn weiter mit den Worten, Europa habe einen positiven Saldo, die Exporteinnahmen nähmen zu. „Langfristig würde ich also nicht von solch einem starken Kursverlust beim Euro sprechen“, so Sussin.

    Alexander Mjulberger, Trading-Chef der russischen Finanzgruppe BCS, hält die Prognose der Deutschen Bank dagegen für logisch: „Europa stagniert weiter – im Gegensatz zu den USA, wo sich die Wirtschaft erholt. Die USA können die Zinssätze erhöhen. Es wäre logisch zu vermuten, dass die Währung im Land mit höheren Zinssätzen stärker sein wird.“

    Robin Winkler und George Saravelos, Analysten der Deutschen Bank, weisen in ihrem jüngsten Bericht auf eine zunehmende Kapitalflucht aus dem Euroraum hin. Vor diesem Hintergrund prognostizieren sie, dass der Dollar gegen Jahresende eine Parität mit der europäischen Gemeinschaftswährung erreicht. Im Jahr 2016 verbilligt sich der Euro laut Winkler und Saravelos voraussichtlich auf 0,9 und im Jahr 2017 sogar auf 0,85 Dollar.

    Die Analysten der Deutschen Bank schreiben, die Kapitalflucht aus Europa habe seit sechs Monaten insgesamt mehr als 300 Milliarden betragen. Das Geld fließe meistens in die USA sowie nach Großbritannien und Kanada. Der Abfluss gehe auf negative Zinsen sowie auf das Quantitative-Easing-Programm der EZB zurück, hieß es. Bis September 2016 will die Europäische Zentralbank Staatsanleihen und weitere Wertpapiere im Gesamtwert von mehr als einer Billion Euro kaufen. Das entsprechende Programm wurde am Montag gestartet.

    Das „Wall Street Journal“ kommentierte, die EZB stehe nun vor einer Bewährungsprobe. Es gehe darum, ob sie in der Lage sei, die Wirtschaft der Eurozone zu stimulieren und eine Deflation zu verhindern. Falls das nicht gelinge, werde man der EZB vorwerfen, die europäischen Regierungen daran gehindert zu haben, ihre nationalen Wirtschaften selbständig weiterzuentwickeln.

    Wie die russische Zeitung „Wedomosti“ feststellt, haben die Märkte sofort auf das QE-Programm der EZB reagiert. Am Dienstag sank der Wechselkurs des Euro auf 1,07 Dollar und erreichte damit ein Rekordtief seit zwölf Jahren. Zur Abschwächung des Euro trägt auch die härtere Politik der US-Notenbank Fed bei, die sich auf eine Erhöhung der Zinssätze vorbereitet. Das russische Blatt zitiert Paul Lambert von Insight Investment mit den Worten: „Das ist nur der Anfang, doch die EZB wird zufrieden sein (…) Eine weichere Währung ist einer der leichtesten Wege zu einer schnelleren Inflation.“ Vor dem Hintergrund der Dollar-Aufwertung schließt Lambert nicht aus, dass der Dollar und der Euro bereits im Sommer gleich viel kosten werden.

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    Tags:
    Dollar, Euro, Europäische Zentralbank (EZB), Alexander Mjulberger, USA